Gesundheit erlangen - Frühling 2026

12 |Titel Die unsichtbare Gefahr AORTENANEURYSMA Alexander B. kam mit einem Herzfehler zur Welt. Im Sommer 2025 schwebte der 44-Jährige plötzlich in Lebensgefahr – doch nicht etwa aufgrund seines angeborenen Herzleidens, sondern wegen einer riesigen Aussackung der Hauptschlagader, die bei jeder noch so kleinen Erschütterung zu platzen drohte. VON MAGDALENA HÖGNER Ein Tag im August 2025. Es ist 18.00 Uhr. Alexander B. sitzt gemütlich auf dem Sofa. Plötzlich bekommt er Herzrasen. Panik. Kurz darauf Erleichterung: Es klingt wieder ab. Um 21.00 Uhr schlägt sein Herz erneut ungewöhnlich schnell. Ein weiteres Mal um Mitternacht. „Da habe ich den Notruf gewählt“, erzählt der 44-Jährige. In der Notaufnahme des Uniklinikums Erlangen angekommen, sind sich die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sofort sicher, dass es ernst ist. Die Computertomografie bestätigt kurze Zeit später den Verdacht: In Alexander B.s Aorta hat sich unbemerkt ein riesiges Aneurysma – eine Gefäßaussackung – gebildet. Statt der normalen zwei bis drei misst seine Hauptschlagader nun neun Zentimeter im Durchmesser. Schnell ist klar, dass der 44-Jährige operiert werden muss – und zwar zeitnah. Denn das vergrößerte Blutgefäß ist eine tickende Zeitbombe: Käme es zu einer Ruptur, würde Alexander B. verbluten – jede Hilfe käme zu spät. Bis zum OP-Termin gilt daher: kein Fahrradfahren, keine Treppen steigen, Homeoffice statt Büro. Der Patient soll jede vermeidbare Anstrengung, die zu einer Verletzung der Aorta führen könnte, umgehen. „Das Gefühl, dass es jeden Moment vorbei sein könnte, war für meine Familie und mich sehr belastend,“ blickt er zurück. „Das Aneurysma und das Risiko, dass es platzen könnte, hingen über uns wie ein Damoklesschwert.“ Ein Herz wie Schwarzenegger Alexander B. wusste zu diesem Zeitpunkt bereits, was es bedeutet, sich einer anspruchsvollen OP zu unterziehen. Denn schon im Alter von 26 Jahren hatte er zwei große chirurgische Eingriffe am Herzen hinter sich. Auch damals blieb seine Erkrankung lange unentdeckt. „Ich hatte schon immer das Gefühl, dass etwas mit meinem Körper nicht stimmt“, erzählt er. Dennoch seien seine Kindheit und Jugend, so sagt er heute, „ganz normal“ verlaufen. Auffällig war nur, dass er jegliche Art von körperlicher Aktivität mied. Erst bei der Musterung für den Wehrdienst stellte ein Arzt den Grund für Alexander B.s Unlust an sportlicher Betätigung fest: Die Herzklappe zwischen seiner linken Herzkammer und der Aorta hatte nur zwei statt drei Taschen. Dadurch war sie durchlässig und das Herz des damals 18-Jährigen weniger belastbar. „So eine biskupide Aortenklappe ist einer der häufigsten angeborenen Herzfehler. Rund ein bis zwei Prozent der Menschen kommen damit zur Welt – auch Arnold Schwarzenegger“, ordnet Prof. Dr. Francesco Pollari, Oberarzt der Herzchirurgischen Klinik des Uniklinikums Erlangen, ein. „Im Gegen-

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