20 | Titel Fortsetzung von S. 19 Gekühlt und in einer speziellen Lösung konserviert – freischwebend, sodass sie keine Druckstellen bekommt –, bringt das herzchirurgische Team die kostbare Fracht nach Erlangen. „Das gesamte OPErgebnis hängt maßgeblich davon ab, in welcher Qualität das Herz entnommen, wie gut es konserviert und transportiert wird“, unterstreicht Robert Cesnjevar. „Damit alles perfekt läuft, benötigt es sehr viel Erfahrung. Dr. Kondruweit macht das seit über 20 Jahren und leistet da hervorragende Arbeit.“ Die Transplantation beginnt um 12.00 Uhr. Auch Saya Aziz hat es rechtzeitig geschafft. „Das Kunstherz zu entfernen, ist der schwierigste Part. Die eigentliche Organtransplantation ist nicht das Anspruchsvollste“, erklärt Prof. Cesnjevar. Das OPTeam, bestehend aus Kinderherz- und Herzchirurgie, Anästhesie, OP-Pflege und Perfusiologie, arbeitet hochkonzentriert. „Der Moment, wenn dann der leere Brustkorb vor einem liegt, ist immer sehr emotional“, weiß Robert Cesnjevar aus all den Eingriffen, die er selbst durchgeführt hat. „Dr. Kondruweit, einer unserer hiesigen Transplantationsexperten, hat das an diesem Tag mit seinem OP-Team einfach toll gemacht“, sagt er. Saya Aziz beobachtet alles aus nächster Nähe. Sie erinnert sich: „Anfangs war ich sehr angespannt. Der ganze Saal war still. Alle warteten auf den ersten eigenen Schlag des neuen Herzens. Dann kam er – und hat den ganzen Raum erfüllt.“ Die OP endet um 18.15 Uhr. Erfolgreich. Jakobs neues Herz schlägt und wird fortan mit ihm mitwachsen. Vier Wochen nach der Transplantation darf der Junge die Klinik verlassen. Doch zuvor gibt es noch eine Abschiedsparty mit allen, die seinen Weg bis dahin begleitet haben. Aus tiefstem Herzen „Die Akutphase ist mittlerweile längst vorbei“, erklärt Prof. Cesnjevar acht Monate später. „Und auch wenn Jakob heute noch viele Medikamente nehmen muss, die unter anderem die Organabstoßung verhindern, hat er jetzt eine sehr gute Lebensqualität. Unsere Einbettung in das Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg hilft uns, eventuelle immunologische Probleme oder andere Komplikationen jederzeit schnell abzufangen.“ Miriam K. wird etwas nachdenklich: „Im Nachhinein weiß ich nicht, wie wir das alles durchgestanden haben.“ Was die Eltern aber wissen, ist, dass es Teamwork war; Medizin mit Herz und Empathie, die alles ausgeschöpft hat, was in der modernen Kinderherzmedizin heute möglich Der Moment, wenn der leere Brustkorb vor einem liegt, ist immer sehr emotional. Prof. Dr. Robert Cesnjevar Nach der Transplantation: Jakobs erster „Ausflug“ auf den Balkon der Kinderklinik, begleitet von seinen Eltern.
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