Gesundheit erlangen - Frühling 2026

24 | Fortsetzung von S. 23 gekehrt oder ängstlich. Die anderen sind eher aufgedreht, euphorisch und erzählen ganz viel, weil sie damit Anspannung abbauen“, weiß die erfahrene Pflegefachfrau. „Ich habe gestern eine Frau von der zweiten Sorte in den OP gebracht“, hakt die Auszubildende Michaela Schorr ein. „Sie hat mir ihre Gedanken und Sorgen mitgeteilt – zur Operation, aber auch zur Chemotherapie. Ich bin darauf eingegangen und habe mein Wissen mit ihr geteilt.“ Auch Kamil Mackowiak, ebenfalls im dritten Ausbildungsjahr, hat die unterschiedlichen Patientencharaktere schon erlebt. „Jeder ist anders und ich versuche, die persönlichen Bedürfnisse zu erkennen“, sagt er. „Ich habe festgestellt, dass es in angespannten Situationen hilft, wenn ich selbst Ruhe bewahre – dann bleibt auch die Patientin oder der Patient ruhig.“ Olga Oliger ordnet ein: „Trotzdem kann es ja aber sein, dass dich den Tag über etwas beschäftigt, vielleicht sogar frustriert. Deshalb ist es wichtig, damit zu uns zu kommen und das zu reflektieren.“ Die Auszubildenden und alle übrigen Mitarbeitenden sind angehalten, sich so mitzuteilen, dass es anderen damit gut geht, aber auch ihnen selbst. Michaela Schorr ergänzt: „Für mich gehört dazu auch, Verantwortung zu übernehmen, wenn ich das Gefühl habe, eine Patientin allein mit meinen pflegerischen Mitteln nicht mehr adäquat versorgen zu können. Dann muss ich eine Ärztin oder einen Arzt hinzuziehen.“ Eine gemeinsame Sprache finden Genau diese Kooperation über Berufsgruppen hinweg wird auf der Ausbildungsstation gefördert. Prof. Dr. Oliver Schnell, Direktor der Neurochirurgie, telefonierte wegen des Themas bereits 2022 mit Manuela Haß, Pflegedienstleitung der Kopfkliniken – noch bevor er überhaupt nach Erlangen kam. „Mir gefielen die Ideen der Pflege sofort, weil ich das Konzept der Ausbildungsstation schon aus Freiburg kannte und wusste, welches riesige Potenzial das hat. Langfristig soll es auch am Uniklinikum Erlangen hin zu einem interprofessionellen, also berufsgruppenübergreifenden Ansatz gehen: Pflegeauszubildende und Medizinstudierende lernen von Anfang an gemeinsam und finden eine gemeinsame Sprache. Das wünscht sich der medizinische Nachwuchs, und den wollen wir gewinnen“, so der Neurochirurg. Manuela Haß ist zufrieden: „Dieser Support ist großartig und motivierend! Wir freuen uns unheimlich, dass auch so viele Ärztinnen und Ärzte das Projekt mittragen und unterstützen.“ Ganz genau beobachten Zurück auf der Ausbildungsstation: In der Neurochi- rurgie kommt es öfter vor, dass Patientinnen und Patienten wegen ihrer Grunderkrankungen oder infolge einer Hirn-OP desorientiert sind; dass sie nicht mehr genau wissen, wer sie sind oder wo sie sich befinden. Ihnen muss das Pflegeteam behutsam vermitteln, was auf Station passiert. „Ich gebe Ihnen jetzt Ihre Medikamente“, sagt Michaela Schorr nun zu einem solchen älteren Patienten im Rollstuhl und führt langsam eiWundkontrollen sind nur ein Teil der umfangreichen Pflegetätigkeiten. Dazu kommen Körperpflege, Lagern und Mobilisieren, Kontrolle von Vitalzeichen und neurologischen Reaktionen, Delir- und Thromboseprophylaxen, Vorbereitung von Visiten und Übergaben, Dokumentation u. a. Feature Nummer drei Die Ausbildungsstation der Neurochirurgie ist die dritte ihrer Art am Uniklinikum Erlangen. Auch in der Thoraxchirurgie und in der Nephrologie gibt es bereits eine.

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