| 25 nen kleinen rosa Becher mit Flüssigarznei an seinen Mund. Dann stellt die Auszubildende das Mittagessen vor dem Mann ab und schneidet ihm das Fleisch klein. „Patientinnen und Patienten, aber auch Angehörige im Pflegeprozess mitnehmen zu können, ist ein wichtiges Ziel der Ausbildung“, erklärt Olga Oliger. Die Pflege neurochirurgischer Patientinnen und Patienten ist anspruchsvoll und erfordert eine gute Beobachtungsgabe. Wie reagiert ein Patient auf Ansprache, wie lebhaft ist er, wie sind seine Stimmung und sein Wesen? Plötzliche Veränderungen können anzeigen, dass sich sein Zustand verschlechtert hat. Manche Betroffene haben neurologische Ausfälle. Es kann dann zum Beispiel sein, dass sie nicht mehr richtig sprechen können, dass sie Lähmungen oder Gangunsicherheiten haben. Geduldig und wertschätzend zu bleiben, ist dann das A und O. Und noch drei andere Buchstaben zählen: DMS. „Durchblutung. Motorik. Sensibilität“, erklärt Kamil Mackowiak. „Ich schaue mir immer die Hautfarbe und -temperatur an, teste, ob jemand die Füße gleichmäßig nach unten drücken und zu sich heranziehen kann, und wie empfindlich die Haut auf Berührung reagiert.“ – „Wir haben auch immer eine Pupillenleuchte in der Tasche“, ergänzt Michaela Schorr. Nacheinander leuchten die Pflegenden damit in beide Augen und beobachten die Reaktion der Pupillen. Diese sollten sich dabei schnell zusammenziehen. „Tun sie das nur langsam oder auf beiden Seiten unterschiedlich, ist das eher kein gutes Zeichen“, weiß die Auszubildende. Nach jeder Schicht und am Ende jeder Woche sollen sich die angehenden Pflegefachfrauen und -männer reflektieren und schriftlich Feedback geben: Welche Aufgaben habe ich schon selbstständig übernommen? Wo habe ich Fachwissen angewendet oder neu recherMichaela Schorr gibt einem Patienten seine Medizin; Olga Oliger ist beobachtend dabei. Anschließend schneidet die Auszubildende dem älteren Mann sein Mittagessen in mundgerechte Häppchen, damit er es leichter hat. Feature Die Auszubildenden verändern unsere Station. Wir hinterfragen durch sie unsere Routinen. Olga Oliger Ausbildungsmanagement und Personalentwicklung E-Mail: pflegeausbildung@uk-erlangen.de www.ausbildung.uk-erlangen.de Video: Neue Ausbildungsstation der Neurochirurgie www.gesundheit-erlangen.com chiert? Wie habe ich mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen kommuniziert? Und wie war der Kontakt mit anderen Berufsgruppen, etwa Ärztinnen oder Physiotherapeuten? „Nach jeder Woche entscheiden die erfahrenen Pflegefachpersonen der Station gemeinsam, ob die oder der Auszubildende in die nächsthöhere Phase der Verantwortungsübernahme aufsteigt oder noch in der aktuellen Phase bleibt“, erklärt Olga Oliger. „Die Dauer der einzelnen Phasen ist also von Person zu Person ganz unterschiedlich. In der Regel bleiben die Auszubildenden insgesamt anderthalb bis zwei Monate bei uns.“ Die heutige Frühschicht beurteilen Kamil Mackowiak und Michaela Schorr jedenfalls beide positiv. „Gut wars“, sagt die Auszubildende – und strahlt dabei ganz wie der grüne lachende Smiley, den sie eben an die Feedbacktafel geheftet hat.
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