| 3 Editorial Jakob kennt jeder. Jeder, der in den vergangenen fünf Jahren in unserer Kinder- und Jugendklinik unterwegs war. Hier sah man Jakob mit den Erzieherinnen im Gruppenzimmer, im Foyer malen und basteln mit seinem Bruder Paul; man entdeckte ihn auf den Klinikgängen, sein rollbares Kunstherz immer im Schlepptau. Da posierte Jakob mit Prof. Dr. Robert Cesnjevar für eine Aktion zugunsten herzkranker Kinder, die ein Spenderorgan brauchen; dort stand er beim „Feuerwehreinsatz“ vor der Kinderklinik mit auf der Drehleiter. Man sah Jakob mit Ärztin Dr. med. univ. Saya Aziz beim Herumalbern und Lachen, mit seiner kleinen Freundin Lena, die ebenfalls ein Kunstherz hatte, und in einem Video, in dem Jakob im Heli- kopter über seine oberpfälzische Heimat flog. Diesen Wunsch des Jungen hatte das Klinikteam an einen erfahrenen Piloten weitergegeben. Das Uniklinikum Erlangen wurde Jakobs zweites Zuhause. Weit über die Hälfte seines bisherigen Kinderlebens wartete der heute Siebenjährige auf ein Spenderherz; lernte in dieser Zeit laufen, bekam ein Geschwisterchen, erlebte die Coronapandemie, wurde Experte für Blutabnahmen und andere medizinische Abläufe und bekam eines Tages sogar einen eigens für ihn ausgestellten „Mitarbeiterausweis“ der Kinderklinik. Und obwohl der Junge dank eines weltweit einmaligen, ausgeklügelten Systems auch mit seinem Kunstherz immer wieder nach Hause durfte, Sieg eines kleinen Kämpfers Chefredakteurin von „Gesundheit erlangen“ stand das oberste Ziel außer Frage: eine Herztransplantation. Im Mai 2025 wurde dann endlich ein passendes Organ für Jakob gefunden und ihm erfolgreich eingesetzt. Seitdem hat er seine Freiheit zurück und kann endlich Dinge tun, die mit Kunstherz unmöglich waren. Jakobs Geschichte erzählen wir auf S. 16. Was die Herzchirurgische Klinik des Uniklinikums Erlangen für erkrankte Kinder, Jugendliche und Erwachsene leistet, zeigen darüber hinaus auch die beiden Beiträge über die kleine Wilma und den 44-jährigen Alexander B. Beide wurden mit einem Herzfehler geboren. Aber während bei dem Mädchen schon im ersten Lebensjahr mehrere hochkomplexe Operationen nötig wurden (S. 8), konnte Alexander B. mit einem Eingriff warten, bis er 25 war. Doch: Fast 20 Jahre danach musste er aus heiterem Himmel den Notruf wählen. Warum, lesen Sie auf S. 12. Mit viel Herz und Empathie geht es auch auf den folgenden Seiten weiter: unter anderem auf der Ausbildungsstation der Kopfkliniken (S. 22), in der Geburtshilfe der Frauenklinik (S. 30), im OP-Saal der Neurochirurgie (S. 38) und im Schmerzzentrum (S. 46). Haben Sie viel Freude beim Lesen und bleiben Sie neugierig! Das große Zittern Wie oft führen Sie ein Glas zum Mund? Wie oft unterschreiben Sie etwas? Wie oft geben Sie jemandem die Hand? Derart alltägliche Tätigkeiten waren für Irene F. jahrzehntelang kaum umsetzbar - bis ein OP-Team zwei Elektroden in ihrem Gehirn platzierte, die für Ruhe in ihren zitternden Händen sorgten (S. 38).
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