Gesundheit erlangen - Frühling 2026

| 37 Medizin KOLUMNE – KLEINE SP[R]ITZE Wenn es im April wieder Spargel gibt, laufen zwei Lager zu Höchstform auf: die, die dieses Gemüse lieben, und die, denen vor ihm graut. Wozu gehören Sie? VON FRANZISKA MÄNNEL Der König aller Gemüse? Wissen Sie, was am 24. Juni ist? Genau – Johannistag. Der Geburtstag von Johannes dem Täufer. Und was noch? „Spargelsilvester“ – das Ende der jährlichen Spargelernte. Zack, bumm, mit einem Knall ist alles aus! Damit endet für viele Menschen das, was ihrem Leben jedes Jahr ab circa Mitte April einen tieferen Sinn gibt: die besessene Suche nach dem weißen Stangengold, das Hofläden-Abfahren und SupermärkteAbklappern, das akribische Spargelspitzen-Begutachten, Auf-Holzigkeit-Prüfen, Sparschälen und SpargelPäckchen-Binden, das Mit-Salz-und-Zucker-Kochen, das Grillen, das Hollandaise-Aufschlagen, Butter-Aufschäumen und Rezepte-Kreieren (Spargel in Schinken war einmal!). Doch der 24. Juni markiert auch das Ende eines Glaubenskampfes – zwischen denen, die das schlanke Gemüse lieben, und denen, die es hassen. Wer vorgibt, neutral zu sein, lügt! Ich bekenne mich hiermit zum ersten Lager – den Liebhaberinnen –, wobei ich jedes Jahr aufs Neue überrascht bin, dass schon wieder alles vorbei ist. Zu gerne würde ich die schmackhaften Stangen noch viel, viel öfter essen. Spargel-Sommeliers wie ich kommen im Frühling mit Freudentränen in den Augen zusammen, bis die erste in der Runde mit aufgeregt zitternder Stimme fragt: „Habt ihr schon welchen gekauft? Ich muss heute unbedingt welchen holen! 45 Euro pro Kilo – für ein Gemüse, das zu 90 Prozent aus Wasser besteht. Absolut gerechtfertigt, dieser Preis! Spargel ist nur einmal im Jahr!“ So leicht, lecker und gesund! Vor allem wegen des halben Liters Sauce Hollandaise pro Portion … Wie stehen Sie zu Spargel? Sind Sie Team Pro oder Team Contra – und warum? E-Mail: franziska.maennel@uk-erlangen.de Die gegnerische Seite fragt: Warum muss man sich einem derartigen sozialen Zwangsritual unterwerfen, ja – in einen kollektiven Ausnahmezustand verfallen? Warum sollte man lange, zähe Pflanzenfasern essen, die einem noch tagelang in den Zähnen hängen, ohne einem auch nur den Hauch von Energie oder gar Geschmack geschenkt zu haben? Die den Urin riechen lassen, als sei man ernsthaft krank? Weißes Gold? Wohl eher weißes Holz! Immerhin: Im Spargel stecken die Vitamine C, E und K und Ballaststoffe, über die sich der Darm freut. Der recht hohe Kaliumgehalt des Gemüses kann gegen leichten Bluthochdruck helfen, für Menschen mit fortgeschrittener Nierenerkrankung ist Spargel aber eher ungünstig – auch wegen seiner harntreibenden, also entwässernden Eigenschaften. Patientinnen und Patienten mit Gicht oder stark erhöhten Harnsäurewerten sollten Spargel auch nur selten und in kleinen Portionen essen, da er Purine enthält, die zu Harnsäure abgebaut werden. Wann immer Sie das hier lesen: Ab jetzt können Sie sich mental vorbereiten. Auf den Anfang und das Ende einer Saison, auf enthusiastische Weggefährtinnen und standhafte Widersacher. Der Graben zwischen den Tellern scheint manchmal unüberwindbar, aber ich mache Ihnen ein Kompromissangebot: Sprechen Sie in Geschmacksfragen zunächst über den kleinsten gemeinsamen Nenner. Stichwort: grüner Spargel. Wenn auch das nicht geht, wenn auch das nicht eint – reden Sie über Sauce Hollandaise! Und mit Veganerinnen über Kartoffeln.

RkJQdWJsaXNoZXIy ODIyMTAw