Gesundheit erlangen - Frühling 2026

| 47 Kopfsache Somatoforme Schmerzen und Fibromyalgie Bei Menschen mit somatoformer Schmerzstörung ist die Schmerz- und Stressverarbeitung gestört. Sie leiden unter andauernden quälenden Schmerzen, für die es keine körperliche Ursache gibt. Beim Fibromyalgie-Syndrom schmerzen mehrere Körperbereiche; die Patientinnen und Patienten sind zudem müde, erschöpft und leiden oft unter Schlafstörungen. Beide Patientengruppen profitieren sehr davon, Gefühle zuzulassen und auszudrücken. Schmerzhafte Gefühle Schmerz und Emotionen werden in denselben Gehirnbereichen verarbeitet. Belastende Gefühle und Schmerzen können sich demnach gegenseitig verstärken. Das Gute: Positive Emotionen senken das Schmerzempfinden. Wer gerade herzhaft lacht, kann währenddessen keine Schmerzen empfinden. ma, Migräne, Fibromyalgie, eine somatoforme Schmerzstörung und eine Depression – solche Grunderkrankungen bringen eben bestimmte körperliche Symptome mit sich. „Heute weiß ich: Ich habe jahrelang meine Gefühle unterdrückt. Am Ende habe ich die Emotionen in meinem Körper gespürt“, so Johannes K. Schmerz zeigt emotionalen Konflikt Für Menschen wie ihn, die oft seit Jahren unter chronischen Schmerzen leiden, bietet das Schmerzzentrum des Uniklinikums Erlangen verschiedene multimodale Therapieprogramme an. Diese umfassen u. a. psychologische Verfahren, Entspannungstechniken, Bewegung sowie ärztliche Gespräche und Medikamente. Ein neuer Baustein im psychologischen Bereich ist die Emotional Awareness and Expression Therapy (deutsch: Emotionale Bewusstseins- und Ausdruckstherapie, kurz EAET). „Chronische Schmerzen und andere Symptome, für die es keine medizinische Erklärung gibt, können ein Signal für einen emotionalen Konflikt sein“, erklärt Peter Mattenklodt, leitender Psychologe des Schmerzzentrums. „Das Vermeiden von Gefühlen spielt dabei eine zentrale Rolle. Werden zum Beispiel Wut, Trauer oder Einsamkeit unterdrückt, kann das Schmerzen, aber auch Beschwerden wie Tinnitus, Bluthochdruck oder Magenprobleme auslösen, aufrechterhalten oder verstärken. Wenn ich die Emo- tionen allerdings erkenne, erlebe und ausdrücke, indem ich mich mit einer Erfahrung auseinandersetze, der ich bisher aus dem Weg gegangen bin, kann das Schmerzen, Stress und Angst reduzieren.“ Das Schiff über Wasser halten Im Sommer und Herbst 2025 nahm Johannes K. an einer achtwöchigen teilstationären Gruppentherapie im Erlanger Schmerzzentrum teil und lernte dort auch die Emotional Awareness and Expression Therapy kennen. Das in zwei Blöcke gegliederte Programm – einmal fünf Wochen und einmal drei Wochen am Stück – richtet sich an Patientinnen und Patienten, die wie Johannes K. unter einer somatoformen Schmerzstörung oder unter Fibromyalgie leiden (s. Kasten oben). Gerade für diese → Um an die oft „verschütteten“ Gefühle von Menschen mit Schmerzen heranzukommen, arbeitet das psychologische Team des Schmerzzentrums u. a. mit Situationskarten. Der Patient soll spüren, wie sein Körper reagiert, etwa „wenn er von einem Bekannten durch eine Äußerung gekränkt wird“, „wenn sein Kind das Elternhaus verlässt“ oder „wenn er einen Freund nach längerer Zeit wiedertrifft.“

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