| 59 Aktiv leben Anzeige Ein länger zurückliegender Bandscheibenvorfall bereitet mir – mal mehr, mal weniger – unterschiedliche Probleme. Nachdem ich von Physiotherapie über Akupunktur, Yoga, Geräte- und Krafttraining schon fast alles versucht habe, will ich jetzt mal neurozentriertes Training ausprobieren. Nach einer zweistündigen neuronalen Testung bekomme ich Hausaufgaben. Erstens: Ich soll mich der „Kartierung“ widmen – der Repräsentation meiner Gelenke im Gehirn. Bei mir geht es zunächst darum, gezielt einzelne Lendenwirbelsegmente anzusteuern und darüber eine Beugung, Streckung oder Seitneige der Wirbelsäule einzuleiten. Zweitens: Ich arbeite mit dem Sacculus, einem Teil des Gleichgewichtsorgans im Innenohr. Dazu wippe ich stehend auf und ab, während ich mit den Augen konstant einen Punkt vor mir fixiere. Indem Sehen, Gleichgewicht und Fußwahrnehmung miteinan- der gekoppelt werden, soll das Nervensystem neue Si- cherheit erlangen und lernen, Bewegungen in der Sagittalebene (hoch und runter, vor und zurück) als ungefährlich zu bewerten. Un- terstützend kann ich mein Nervensystem auf die Übungen vorbereiten. Das geht in meinem Fall, wie die Testung ergab, z. B. gut über Fingerkoordinationsübungen und Sprache, also das lautlose mentale Artikulieren bestimmter Wörter. Meine dritte Aufgabe ist die regelmäßige Entspannung – und später Mobilisation – der Beinnerven. Dazu setze ich mich auf einen Stuhl, ziehe mein rechtes Knie zur Brust, lege den Kopf in den Nacken, mache ein Hohlkreuz und halte diese Position für jeweils 30 bis 60 Sekunden. Für die Nervenmobilisation setze ich mich hin, strecke mein rechtes Bein lang nach vorn, mache einen Rundrücken, bis ein leichter Zug in der Beinrückseite spürbar wird, und strecke und beuge dann mehrmals nacheinander leicht mein rechtes Knie. Für die Kartierung der Wirbelsäule soll ich zehnmal zehn Durchgänge pro Tag einplanen, fürs Wippen 20-mal eine Minute, für Nervenentspannung bzw. -mobilisation ebenfalls zehn Durchgänge pro Tag. Erstes Fazit: Es braucht viel Zeit, Disziplin und Geduld, um das Nervensystem „umzuprogrammieren“. Jede und jeder erhält sehr individuelle Übungen – nicht alles funktioniert bei allen. Im besten Fall zeigen sich nach einigen Wochen bis Monaten erste Verbesserungen. Ich kann einzelne Lendenwirbelsegmente schon nach zwei Wochen gut adressieren und auch die Nervenmobilisation fühlt sich wohltuend an. Ich finde den Ansatz sehr spannend, bin neugierig und werde ihn künftig als zusätzlichen Baustein in mein Sport- und Bewegungsprogramm integrieren. Neuro-Training im Selbsttest Das Ertasten und Reiben einzelner Wirbelsegmente macht sie für das Gehirn leichter ansteuerbar. VON FRANZISKA MÄNNEL
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