| 9 Titel rechte. Außerdem hatte sie eine Aortenisthmusstenose, eine Verengung der Aorta, die den Blutfluss vom Herzen in den Körper beeinträchtigte. Hinzu kam ein Ventrikelseptumdefekt – ein großes Loch in der Herzscheidewand“, erklärt Dr. Ariawan Purbojo, leitender Oberarzt der Sektion Kinderherzchirurgie in der Herzchirurgischen Klinik des Uniklinikums Erlangen. Schritt für Schritt Angesichts der Komplexität von Wilmas Herzfehler musste das Team der Kinderherzchirurgie gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Kinderkardiologischen Abteilung unter Leitung von Prof. Dr. Sven Dittrich sorgfältig abwägen, welcher Defekt als Erstes zu beheben ist. „Es war schnell klar, dass wir zuerst die Aorta versorgen müssen, damit nicht mehr so viel Blut in den Lungenkreislauf fließt“, sagt Dr. Michela Cuomo, ebenfalls Oberärztin der Kinderherzchirurgie. Die Idee: Durch die Erweiterung der verengten Aorta Kleines Loch, schwerwiegende Folgen Bei einem gesunden Herzen versorgt die linke Kammer den Körper mit sauerstoffreichem Blut, während die rechte Herzhälfte sauerstoffarmes Blut zur Lunge pumpt, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Ist die Herzscheidewand wie bei Wilma durchlässig, vermischen sich sauerstoffreiches und sauerstoffarmes Blut. Das Mischblut, das in den Körperkreislauf fließt, hat eine geringere Sauerstoffsättigung als gewöhnlich. Die Folge: Die Organe erhalten zu wenig Sauerstoff, gleichzeitig wird die Lunge überlastet. kann mehr Blut aus dem Herzen in den Körperkreislauf fließen, während gleichzeitig weniger Blut zur Lunge gelangt. Einige Monate später, nachdem Wilmas Körper schon ein bisschen he- ranwachsen konnte, sollte dann der Ventrikelseptumdefekt (VSD) in der Herzscheidewand korrigiert werden. Das langfristige Ziel war es, dadurch eine stabile Herzfunktion mit getrenntem Körper- und Lungenkreislauf zu erreichen. Kaum vier Tage alt, wurde Wilma also zum ersten Mal operiert. „Leider brachte die Erweiterung der Aorta aber nicht den gewünschten Effekt“, erklärt Dr. Purbojo. Deshalb führte das Team der Kinderherzchirurgie vier Tage später einen weiteren Eingriff durch. Doch auch die zweite Operation führte keine ausreichende Verbesserung herbei, weshalb sich der ursprüngliche Plan, Wilma bis zur VSDKorrektur zu stabilisieren, vorerst nicht umsetzen ließ. Eine neue Lösung musste her. Plan B „Wir sahen eine Alternative in der sogenannten Norwood-Operation“, sagt Michela Cuomo. Dieser Eingriff ist in der Regel der erste von drei Schritten zur Versorgung des hypoplastischen Linksherzsyndroms mit einem Ein-Kammer-Kreislauf. Dabei wird die rechte, gesunde Herzkammer zur „Hauptpumpe“ für den Körperkreislauf umfunktioniert, während die linke Hälfte stillgelegt wird. Das sauerstoffarme Blut fließt dann passiv, ohne Unterstützung einer Herzkammer, zur Lunge. → Ihre linke Herzhälfte war zu klein, aber nicht so stark unterent- wickelt, dass es keine Hoffnung gegeben hätte. Dr. Ariawan Purbojo
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