Fortsetzung von S. 33 Probleme mehr. Dann traten die Schmerzen erneut auf und er meldete sich noch einmal in der Strahlenklinik an. „Wenn ein erheblicher Restschmerz bestehen bleibt, raten wir zu einer zweiten Therapieserie. Das ist bei etwa 70 bis 80 Prozent der Behandelten der Fall“, erklärt Prof. Dr. Oliver Ott, Oberarzt der Strahlenklinik. „Es kann einige Wochen dauern, bis die Behandlung anschlägt. Aber letztlich führt sie bei der Mehrheit zu einer deutlichen Schmerzverbesserung, die oft über Jahre anhält. Bei vielen sind die Beschwerden danach komplett weg.“ Diese Hoffnung hat auch Ralph Stedler, nachdem ihm der erste Durchgang so guttat. „Ich merke schon, wie es besser wird“, sagt er. Wir haben jahrzehntelange Erfahrungen mit der Röntgentherapie und machen 800 bis 900 Behandlungsserien jährlich. Prof. Dr. Oliver Ott Die Entzündung drosseln „Medizinische Laiinnen und Laien, aber auch einige Ärztinnen und Ärzte gehen noch immer davon aus, dass in der Strahlentherapie hauptsächlich bösartige Tumoren behandelt werden. Dabei ist die Strahlentherapie auch bei gutartigen Erkrankungen sehr wirksam und wir setzen sie auch da regelmäßig ein, um zum Beispiel Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern“, sagt Oliver Ott. Die Erklärung: Die niedrig dosierte Röntgenstrahlung bekämpft Entzündungen im Gewebe; entzündungsfördernde Botenstoffe nehmen infolge der Bestrahlung ab – und damit auch die Schmerzen. Die biochemischen Veränderungen lassen sich im Labor nachweisen. Zu den Anwendungsgebieten gehören neben degenerativ-entzündlichen GelenkFragen und Antworten Wie und wo bekomme ich die Röntgentherapie? In der Erlanger Strahlenklinik muss eine Überweisung von einer hausärztlichen, orthopädischen oder anderen fachärztlichen Praxis vorgelegt werden. Die Schmerzbestrahlung wird auch in vielen anderen strahlentherapeutischen Einrichtungen angeboten. Behandelte müssen in der Regel mindestens 40 Jahre alt sein. Die Kosten werden üblicherweise von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Wie gut und wie dauerhaft ist die Wirkung? Bei Abnutzungserscheinungen und Gelenkveränderungen, etwa Arthrose, erfahren ca. 70 Prozent der Behandelten eine Schmerzlinderung; bei entzündlichen Prozessen wie Fersensporn oder Achillessehnenreizung sind es sogar 80 bis 90 Prozent. Die Besserung ist in vielen Fällen dauerhaft. Kann die Bestrahlung nicht auch schädlich sein? Es gibt keine nennenswerten Nebenwirkungen. Anfänglich können sich allerdings bereits bestehende Schmerzen vorübergehend verschlechtern. Bei der Röntgentherapie handelt es sich um dieselbe Art von Strahlung wie bei einer herkömmlichen Röntgendiagnostik, allerdings ist die therapeutische Strahlung etwas höher dosiert. Grundsätzlich sind Ärztinnen und Ärzte immer zur „Strahlen-Sparsamkeit“ angehalten: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Bei der Arbeit fest zupacken: Dank der Röntgentherapie geht das bei Ralph Stedler wieder. 34 | Medizin
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