Gesundheit erlangen - Herbst 2026

28 | Medizin Fortsetzung von S. 27 Achtung, heiß! Eine brennende Kerze auf dem Tisch berührt, die Hand auf die eingeschaltete Herdplatte gelegt oder einen Topf mit heißem Wasser umgestoßen – bei Verbrennungen und Verbrühungen können Sofortmaßnahmen helfen, Schmerzen zu lindern und weitere Hautschäden zu begrenzen. „Kühlen Sie die verbrannte oder verbrühte Stelle etwa fünf bis zehn Minuten lang mit fließendem, lauwarmem bis kühlem Wasser. Bitte kein Eiswasser und keine Eiswürfel verwenden, da beides das Gewebe zusätzlich schädigen kann“, empfiehlt Dr. Hébert. „Bei Verbrühungen sollten Sie möglichst rasch die nasse Kleidung des Kindes ausziehen, damit die Haut nicht länger der Hitze ausgesetzt ist. Denken Sie dabei auch an die Windel.“ Vorsicht ist allerdings bei Brandwunden geboten: „Wenn die Kleidung in die Haut eingebrannt ist, lassen Sie die Kleidung bitte so, wie sie ist. Sonst drohen weitere Verletzungen“, warnt der Experte. Anschließend sollte die Hautfläche steril verbunden werden, etwa mit Kompressen aus dem Verbandskasten. Taschentücher, Toiletten- oder Küchenpapier sind hingegen nicht geeignet, da die Fasern an der Wunde haften bleiben können. „Auf keinen Fall sollten Sie Brandblasen öffnen oder Cremes, Puder, Mehl oder Ähnliches auf die verletzte Haut auftragen“, betont der Kinderarzt. Wenn sensible Hautstellen wie das Gesicht, Gelenke oder der Genitalbereich betroffen sind, die Verletzung großflächig ist oder Hinweise auf eine tiefe Verbrennung bestehen – oft erkennbar an einer dunklen oder weißlichen Verfärbung der Haut –, ist außerdem schnelle medizinische Hilfe erforderlich. „In diesen Fällen sollten Eltern zusätzlich zur Erstversorgung unbedingt den Notruf wählen“, rät Dr. Hébert. Giftig oder harmlos? Kleinkinder erkunden ihre Umwelt mit allen Sinnen. Dabei wandert manches in Mund und Magen, was dort nicht hingehört: Knetmasse, Handcreme, Spülmittel. Für Eltern ist oft nicht sofort ersichtlich, ob das Geschluckte für das Kind gefährlich ist. „Die Sorge vor einer Vergiftung ist dann verständlicherweise groß“, weiß Dr. Hébert. „Bleiben Sie ruhig und wählen Sie den Giftnotruf. Dieser kann die Situation einschätzen und Ihnen Anweisungen geben, was zu tun ist.“ Auf keinen Fall sollten Eltern ihr Kind zum Erbrechen bringen, da die potenziell giftige Substanz dann ein zweites Mal durch die Speiseröhre gelangt und diese dabei erneut verletzen könnte. Auch die orale Gabe von Aktivkohle zum Binden des Gifts kann einen Brechreiz auslösen und sollte daher nur durch medizinisches Fachpersonal erfolgen. Von Milch rät der Kinderarzt ebenfalls ab, denn anders als viele glauben, wirkt sie nicht als „Gegengift“. Im Gegenteil: Durch ihren Fettgehalt kann Milch in manchen Fällen die Substanzaufnahme im Darm sogar beschleunigen. „Am effektivsten ist immer noch die Prävention. Bewahren Sie alle giftigen Stoffe sicher verschlossen und außer Reichweite von Kindern auf und füllen Sie Haushaltsmittel, Chemikalien oder Ähnliches niemals in Lebensmittelbehälter um“, betont Dr. Hébert. App bei Vergiftungen Die App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ des Bundesinstituts für Risikobewertung listet alle Chemikalien, Medikamente und Pflanzen auf, die bei Kindern zu Vergiftungen führen können, und gibt Tipps zur Prävention. www.bfr. bund.de/presse/bfr-apps/ Der Giftnotruf München, die zentrale Rufnummer für Bayern, ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar. Tel.: 089 192 40

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