Fortsetzung von S. 23 Vorhaben vor, bringen eventuell Bastelmaterialien mit und bieten zudem auch Einzelgespräche im Patientenzimmer an. „Ich hatte ja Leukämie, aber ganz hinten liegt ein Patient, der wohl das hat, was du hattest, und der dich was fragen will“, wendet sich Mentor Jarl an Emilia. Die beiden laufen den Stationsflur entlang, vorbei an einem bunten „Keep-Going“-Graffiti, bis zum Ende des Gangs, wo der jugendliche Patient in einem Einzelzimmer liegt. Er wirkt schwach und niedergeschlagen. „Du hattest auch ein Hodgkin-Lymphom? Wie war das bei dir?“, will er von Emilia wissen. „Es war schon ein Schock. Aber heute habe ich keine Einschränkungen mehr“, entgegnet sie. „Wie lange hat es gedauert?“, fragt der Junge weiter. „Ich hatte vier Chemo-Zyklen, insgesamt fünf Monate, danach bin ich noch mit Maske zum Weihnachtsmarkt, habe aufgepasst“, berichtet Emilia. Die Mutter des Patienten klinkt sich ein: „Er kriegt sechs Chemo-Blöcke.“ Sie zeigt der Mentorin ihr Handy mit Bildern von der Tumordiagnostik. „So viel war befallen. Beim ersten Mal war ihm übel, beim zweiten Mal war es besser. Aber er bekommt immer wieder hohes Fieber, manchmal 41 Grad, mit Durchfall und Erbrechen.“ Emilia richtet sich wieder an den Teenager: „Es hat bei dir ein bisschen stärker gestreut als bei mir, deshalb brauchst du wahrscheinlich mehr Therapieblöcke. Es ist nicht immer leicht, aber du kannst dich beschäftigen. Bei Chemo Nummer drei kannst du dir sagen, du hast schon die Hälfte geschafft“, ermutigt sie ihn und fragt, ob er Sport mache, und dann, ob er mit seinem Portkatheter zur Medikamentengabe gut zurechtkomme. „Naja, geht so“, gesteht der Junge. Emilia zeigt ihm die Narbe unterhalb ihres Schlüsselbeins: „Mein Port kam vor drei Wochen raus. Zwei Jahre nach Therapieende ist das Rückfallrisiko nicht mehr so hoch.“ Der Patient bedankt und verabschiedet sich. Außerhalb des Zimmers erklärt Emilia: „Man darf sich vom Kopf her nicht runterziehen lassen. Eine negative Einstellung macht es schwieriger, finde ich. Ich habe mir immer gesagt: Es ist, was es ist. Ich hatte das Gefühl, dass seine Stimmung zum Ende hin schon besser war.“ Ein sicheres Fundament errichten „Aktuell hängt das Mentorenprogramm stark vom Engagement Einzelner ab“, betont Eva-Maria Wild, die die Initiative mit aufgebaut hat. „Wir wünschen uns, dass solche Projekte langfristig unterstützt werden und dass es hierfür feste Strukturen gibt.“ Prof. Dr. Markus Metzler, Leiter der Erlanger Kinderonkologie, setzt sich sehr dafür ein, dass Angebote wie das Survivor-Programm einen dauerhaften Platz im Klinikalltag haben. Er sagt: „In der KinderEmilia und Jarl sichten Bastelmaterialien für kommende Projekte auf der kinderonkologischen Station. Man kann die Ärztinnen und Ärzte alles fragen, aber die wenigsten hatten selbst Krebs. Emilia 24 | Feature
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