Die den Wolf besiegte MEINE GESCHICHTE Mit 16 Jahren erkrankte Thu Thao Vu Thi an Systemischem Lupus erythematodes (SLE). Als keine der verfügbaren Therapien anschlug, wagten Erlanger Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit der jungen Frau einen bis dahin einzigartigen Versuch: Thu Thao Vu Thi sollte als erste SLEPatientin weltweit eine CAR-T-Zell-Therapie erhalten. VON MAGDALENA HÖGNER „Ich hörte das Wort ‚Heilung‘“, sagt Thu Thao Vu Thi. „Da war ich mir sicher, dass ich es versuchen möchte.“ Fünf Jahre ist es her, dass sich die junge Frau im Rahmen eines individuellen Heilversuchs ihrem Systemischen Lupus erythematodes (SLE) stellte, einer chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem eigene Körperzellen in verschiedenen Organen angreift. Nachdem sie monatelang Schmerzen ertragen musste und sich kaum bewegen konnte, sollte die damals 20-Jährige als erste SLE-Patientin weltweit eine CAR-T-Zell-Therapie erhalten – eine Behandlungsmethode, die bis dato nur bei Leukämie und Lymphdrüsenkrebs zum Einsatz gekommen war. Ob die Therapie bei ihr anschlagen würde, war zu diesem Zeitpunkt ungewiss. „Mein Behandlungsteam betonte von Anfang an, dass der Ausgang nicht vorhersehbar war“, erzählt Thu Thao Vu Thi. „Aber bei dem Gedanken daran, dass ich endlich von meinen Qualen befreit werden könnte, musste ich vor Erleichterung weinen. Also stimmte ich zu.“ Die Diagnose SLE erhielt Thu Thao Vu Thi, als sie gerade 16 Jahre alt war. Im Winter 2016 traten bei der Schülerin immer wieder Gelenk- und Muskelschmerzen auf. Zu Beginn war sie unbesorgt. „Ich machte damals viel Sport, vor allem Taek- wondo und Turnen. Ich dachte, das sei einfach ein Muskelkater“, erinnert sich die heute 25-Jährige. Doch die Schmerzen blieben – und wurden immer stärker. Als schließlich ein schmetterlingsartiger Ausschlag in ihrem Gesicht hinzukam, ging sie zum Hautarzt. Dieser überwies sie nach einer Blutuntersuchung sofort in die Notaufnahme. „Zu meinen Eltern sagte ich noch: ‚Ach, ihr braucht mir keine Kleidung einzupacken!‘“, erzählt sie. „Ich ging davon aus, dass ich höchstens ein, zwei Nächte bleiben werde.“ Doch es wurden sechs Wochen – und es war der Beginn eines noch viel längeren Genesungswegs. „Als die Patientin zu uns kam, war sie schwer krank“, erklärt Prof. Dr. med. univ. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Uniklinikums Erlangen. „Das Immunsystem griff bereits die Gelenke, Muskeln und Sehnen an, und auch die Nieren waren entzündet.“ Verschiedene Untersuchungen bestätigten im Februar 2017 den Verdacht: Thu Thao hatte Systemischen Lupus erythematodes. 38 | Menschen
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