Fortsetzung von S. 39 Bewegung, und auch ihr Herz war betroffen. „Ich war fast schon Stammgast auf der Station B2-2 der Medizin 3“, blickt Thu Thao Vu Thi zurück und lacht. Wie schlecht es ihr ging, kann sie sich heute kaum noch vorstellen – und auch damals unterschätzte sie ihren Zustand: „Ich dachte immer: ‚Ach, so schlimm ist es nicht. Anderen geht es viel schlechter‘“, erzählt sie. „Das Stationsteam sagte dann immer ganz klar: ‚Nein, Thu Thao, das stimmt nicht!‘“ Ein Therapieversuch folgte auf den nächsten. Im Frühjahr 2021 dann die erschütternde Nachricht: Alle in Deutschland zugelassenen Therapieoptionen waren ausgeschöpft. „Wir standen mit dem Rücken zur Wand“, sagt Prof. Schett. „Aber Aufgeben war für uns keine Option.“ Das Behandlungsteam brachte zum ersten Mal CAR-T-Zellen ins Spiel, eine Methode aus der Krebstherapie. Dabei werden körpereigene Immunzellen, sogenannte T-Lymphozyten, im Labor gentechnisch so verändert, dass sie anschließend krankhafte Zellen erkennen und zerstören. „Die Idee war, die T-Zellen diesmal so zu ,programmieren‘, dass sie die fehlgeleiteten Immunzellen angreifen, die am SLE beteiligt sind“, erklärt Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie. „Ich wusste, dass ich ohne eine weitere Behandlung sterben würde“, sagt Thu Thao Vu Thi. „So hatte ich zumindest eine Chance.“ Zwischen Hightech-Medizin und TV Es folgten zwei Monate intensiver Vorbereitung, unter anderem mittels einer leichten Chemotherapie, die das Immunsystem auf die neuen T-Zellen vorbereiten sollte. Obwohl der Behandlungserfolg ungewiss war, blickte die Patientin positiv nach vorn: „Ich habe mich richtig darauf gefreut!“ Am 22. März 2021 war es endlich so weit: „Ich saß in meinem Stationszimmer und er- Am 18. Dezember 2023 – 1.000 Tage nach der CAR-T-ZellTherapie – überreichten die Klinikdirektoren Prof. Dr. Andreas Mackensen (l.) und Prof. Dr. med. univ. Georg Schett Thu Thao Vu Thi eine eigens für sie angefertigte Auszeichnung mit der Aufschrift „Die, die den Wolf besiegte“. „Eine Studie hat mein Leben gerettet“ Was für manche wie eine Floskel klingt, ist für Thu Thao Vu Thi zu ihrer eigenen Geschichte geworden. Mit ihrem Genesungsweg möchte die 25-Jährige zeigen, wie wichtig klinische Studien für den medizinischen Fortschritt sind. Daher engagiert sie sich heute unter anderem bei „Studien wirken“, einer deutschlandweiten Initiative, die Studien sichtbar machen möchte. Der Wolf Den Namen Lupus (lateinisch: Wolf) bekam die Erkrankung, weil die typischen Gesichtsrötungen und -entzündungen die Menschen früher an Wolfsbisse erinnerten. 40 | Menschen
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