Man läuft, läuft und läuft – und auf einmal läufts nicht mehr. Ein stechender Schmerz an der Außenseite des Knies. Anfangs nur leicht und nur ab und zu. Dann immer öfter, stärker werdend und letztlich so stark, dass ein Weiterlaufen fast unmöglich ist. Das Läuferknie – in der Fachsprache auch iliotibiales Bandsyndrom, kurz ITBS, genannt – ist eine typische Überlastungserscheinung bei Läuferinnen und Läufern. Es tritt meist dann auf, wenn der Trainingsumfang gesteigert wird oder plötzlich längere Strecken gelaufen werden. Im Zentrum steht dabei der Tractus iliotibialis – eine straffe Sehnenplatte, die vom Becken an der Außenseite des Oberschenkels zum Knie führt. Die Sehne gleitet bei jedem Schritt über den äußeren Knieknochen. Wird diese Bewegung durch eine hohe oder ungewohnte Belastung zu oft wiederholt, kann das Gewebe gereizt werden – und es entsteht der typische stechende Schmerz. Vielschichtig Meist ist das Läuferknie nicht auf einen einzigen Auslöser zurückzuführen, sondern auf ein Zusammenspiel mehrerer Einflüsse. Neben einer zu schnellen Trainingssteigerung können weitere Faktoren die Überlastung begünstigen, etwa Fehlstellungen wie ein Knick-Senk- oder Plattfuß, X- und O-Beine, ein zu harter Untergrund sowie unpassende oder abgenutzte Laufschuhe. Häufig spielt auch die Gesäß- und Hüftmuskulatur eine Rolle: Sind die Muskeln zu schwach, muss der Tractus iliotibialis das Bein stärker stabilisieren und gerät dadurch leichter unter Spannung. Die Folge: eine größere Belastung. Und jetzt? Die gute Nachricht vorab: Das Läuferknie lässt sich in der Regel sehr gut behandeln. Bei akuten Schmerzen gilt es vor allem, die Belastung zu reduzieren und gegebenenfalls sogar eine mehrwöchige Laufpause einzulegen. Denn: Auch wenn es sich viele Laufbegeisterte wünschen, kann der Schmerz nicht einfach ‚weggelaufen‘ werden. Wer sich dennoch bewegen möchte, kann auf Radfahren oder Schwimmen umsteigen – aber nur, wenn das schmerzfrei möglich ist. Sanfte Dehnübungen oder die Nutzung einer Faszienrolle reduzieren die Spannung im Tractus iliotibialis. Nach ärztlicher Rücksprache können bei sehr starken Schmerzen auch entzündungshemmende Medikamente herangezogen werden. Langfristig schmerzfrei Langfristig hilft allerdings vor allem eins: die Ursachen angehen. Hierfür lohnt es sich, zunächst das Schuhwerk und die eigene Lauftechnik zu kontrollieren: Wie abgelaufen sind die Schuhe? Passt das Modell zum Laufstil? Eine professionelle Laufanalyse kann dabei helfen. Doch das allein ist meist nicht ausreichend: Der Schlüssel zum schmerzfreien Laufen liegt oft darin, die Gesäß- und Hüftmuskulatur gezielt zu stärken und dadurch die Sehnenplatte zu entlasten. Für alle Schmerzgeplagten, die bald wieder die Laufschuhe schnüren möchten, hat die Redaktion von „Gesundheit erlangen“ auf den folgenden Seiten einige Übungen zur Stärkung von Gesäß, Hüfte und Beinachse zusammengestellt. → False Friend Trotz seines Namens tritt das Läuferknie nicht nur bei Laufbegeisterten auf. Auch andere Sportarten mit vielen Beuge- und Streckbewegungen wie Radfahren, Wandern oder Ballsport können Schmerzen an der Knieaußenseite verursachen. Eine Frage des Schmerzes Bei angepasstem Training bessern sich die Beschwerden bei vielen bereits nach drei bis sechs Wochen. Manchmal ist eine längere Laufpause notwendig. Wichtig ist: Zunächst langsam, mit kürzeren Strecken wieder einsteigen und erst dann voll durchstarten, wenn das Knie im Alltag und beim Laufen schmerzfrei ist. | 57 Aktiv leben
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