| 13 Titel Frozen Elephant Trunk („Gefrorener Elefantenrüssel“): Der „Rüssel“ beschreibt die geschwungene Form. Der nach unten verlaufende Prothesenabschnitt ist durch einen Stent – ein feines Metallgerüst – versteift und deshalb „gefroren“. zustand; rief nicht seine Eltern dazu, die sich eine Etage weiter oben aufhielten. „Am nächsten Morgen bin ich dann zum Hausarzt gegangen. Der stellte aber leider eine Fehldiagnose und schickte mich mit einer ,Wirbelblockade‘ nach Hause. Abends fuhren wir dann doch ins Krankenhaus nach Amberg. Von dort flog man mich ins Uniklinikum und ich kam sofort auf die Intensivstation.“ Ein gefrorener Elefantenrüssel Diagnose: Aortendissektion – ein Riss in der innersten Wandschicht der Hauptschlagader, ein lebensbedrohlicher Notfall. Der damalige Direktor der Erlanger Herzchirurgie setzte Hannes R. einen „Frozen Elephant Trunk“ ein, was so viel heißt wie „gefrorener Elefantenrüssel“. Diese spezielle Gefäßprothese ersetzt seitdem den Aortenbogen des Patienten. „Die verschiedenen Abschnitte der Aorta erkranken häufig nicht allein, sondern gleichzeitig oder nacheinander. Deshalb ist es für uns zen- tral, uns fachübergreifend abzustimmen – zwischen Gefäßchirurgie, Herzchirurgie und interventioneller Radiologie“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Rother, Leiter der Gefäßchirurgischen Abteilung des Uniklinikums Erlangen. „Für jede Patientin und jeden Patienten planen wir in einem gemeinsamen Aorten- board, wann und wie welcher Abschnitt behandelt wird.“ Der Direktor der Herzchirurgischen Klinik, Prof. Dr. Robert Cesnjevar, ergänzt: „Der Frozen Elephant Trunk wird zum Beispiel vonseiten der Herzchirurgie so vorbereitet, dass die Gefäßchirurgie gut daran weiteroperieren kann. Salopp gesagt ist die Aorta wie ein Gartenschlauch: Wenn man zwei Schläuche zusammenführen will, braucht man ein gutes Steckmodul.“ Trotzdem habe keiner der Fachbereiche einen „Tunnelblick“. Prof. Rother betont: „Oft heißt es: Die Herzchirurgie arbeitet ausschließlich nah am Herzen, die Gefäßchirurgie nur im unteren Teil der Aorta. Aber hier am Uniklinikum verfolgen wir einen anderen Ansatz: Wir kümmern uns zusammen um die Patientinnen und Patienten und die Grenzen sind fließend.“ Auch eine präzise radiologische Bildgebung ist dabei entscheidend. Weil sich etwa Röntgen, CT und MRT in den vergangenen Jahren deutlich verbessert haben, sind Eingriffe heute immer exakter plan- und durchführbar. Oberarzt PD Dr. Axel Schmid vom Radiologischen Institut des Uniklinikums Erlangen erklärt: „Wenn jemand zum Beispiel ein Aneurysma hat, also eine gefährliche Ausstülpung der Aorta, machen wir ein CT und planen das weitere Vorgehen. Dabei suchen wir immer auch die anderen Abschnitte der Aorta nach Auffälligkeiten ab.“ Bei Eingriffen stellen die Expertinnen und Experten → Was ist die Aorta? Sie ist die Hauptschlagader des Körpers und beginnt direkt am Herzen. Von dort aus transportiert sie sauerstoffreiches Blut in nahezu alle Körperregionen. Vom Herzen aus verläuft die Aorta weiter nach unten durch Brust- und Bauchbereich bis zum Becken. Von der Hauptschlagader zweigen zahlreiche Arterien ab, die u. a. Gehirn, Arme, Bauchorgane, Nieren und Beine versorgen. Der Schmerz war zerreißend. Ich dachte, ich sterbe. Hannes R.
RkJQdWJsaXNoZXIy ODIyMTAw