Gesundheit erlangen - Herbst 2026

| 17 Titel „Nur 1,5 Prozent der Bevölkerung haben das“, erklärt Dr. Antje Mükke, Oberärztin der Gefäßchirurgischen Abteilung des Uniklinikums Erlangen. „Das Krankheitsbild ist also sehr selten und wird deshalb oft übersehen.“ Gemeint sind angeborene Fehlbildungen der Blut- oder Lymphgefäße, sogenannte Gefäßmalformationen oder auch -anomalien. „Die Patientinnen und Patienten berichten oft: ,Ich habe da eine Schwellung am Hals‘ oder ,Mein Bein ist nicht richtig belastbar, wird immer schnell müde und dann kriege ich Schmerzen‘ oder ,Ich habe hier so eine rote Hautveränderung, die mich stört‘“, gibt Dr. Mükke typische Beispiele. Mit ihren Beschwerden sitzen die Betroffenen dann meist erst einmal in der hausärztlichen, orthopädischen oder dermatologischen Praxis. „Und dort muss irgendwann jemand an eine Gefäßerkrankung denken, einen Ultraschall machen und die Person in die Gefäßchirurgie überweisen“, so die Expertin. „Wir stellen die endgültige Diagnose dann immer mittels MRT.“ Gefäßfehlbildung heißt: Arterien, Venen oder Lymphgefäße sind nicht gleichmäßig angelegt, sondern verlaufen beispielsweise erweitert oder verschlungen. „Dabei entsteht eine Art ,Wollknäuel‘ aus Gefäßen“, beschreibt Antje Mükke. „Je nach Art der Malformation können sich Blut oder Lymphflüssigkeit in dem Knäuel entweder stauen oder aber schnell und mit großem Druck hindurchfließen.“ Die Veränderungen sind angeboren und wachsen bis zum 18. Lebensjahr proportional mit dem Körper mit. Die betroffene Stelle bleibt aber immer dieselbe, es kommen also keine neuen Areale dazu. Einzige Einrichtung in Nordbayern Die Klassifikation der unterschiedlichen Fehlbildungen ist komplex; es gibt zahlreiche Ausprägungen und Mischformen – je nach Art der beteiligten Gefäße. Das Uniklinikum Erlangen ist die einzige Einrichtung in Nordbayern mit einer Spezialambulanz für Gefäßmalformationen. Das Behandlungsspektrum ist groß. „Wenn etwas gar keine Probleme macht, muss man es auch nicht therapieren. Manches stört die Betroffenen hauptsächlich kosmetisch, zum Beispiel im Gesicht“, erklärt Antje Mükke. „Andere Malformationen können aber richtig entstellen, die Beweglichkeit einschränken und auch wirklich gefährlich werden – unter anderem deshalb, weil sich dort so viel Blut sammeln kann, dass das Herz das nicht mehr schafft“, ergänzt Oberarzt PD Dr. Axel Schmid vom Radiologischen Institut des Uniklinikums Erlangen. → GEFÄßMALFORMATIONEN So selten sie sind, so stark können sie Betroffene beeinträchtigen: fehlgebildete Blut- oder Lymphgefäße. Beurteilung und Behandlung gehören in die Hände von Spezialistinnen und Spezialisten. VON FRANZISKA MÄNNEL Normalzustand der Gefäße (kleines Bild): Kapillaren sind die feinsten Blutgefäße. Sie verbinden Arterien (rot) mit Venen (blau). In gesunden Kapillaren fließt das Blut langsam und gleichmäßig. Es gibt Sauerstoff und Nährstoffe an das Gewebe ab und nimmt Abfallstoffe auf, bevor es über die Venen zum Herzen zurückfließt. Beispiel einer Gefäßfehlbildung (großes Bild): Anstelle der feinen Kapillaren zwischen Arterie und Vene besteht hier ein „Gefäßknäuel“. Es verbindet Arterie und Vene direkter, in einer Art „Kurzschluss“. Deshalb fließt sehr schnell sehr viel Blut in diesen Bereich. Das umliegende Gewebe wird dadurch oft schlechter versorgt. Das Krankheitsbild ist sehr selten und wird deshalb oft übersehen. Dr. Antje Mükke

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