20 | Feature Ganz nah Benedikt liegt auf der Brust seiner Mutter, zugedeckt mit einem weißen Mulltuch. Ein dünnes Deckchen schützt seine Augen vor Umgebungslicht, ein Mützchen wärmt seinen kleinen Kopf und dämpft Geräusche. Kaum sieht man etwas von dem 39 Zentimeter kleinen, zierlichen Frühchen, so eingemummelt ist es – in Stoff, Wärme und Geborgenheit. „Mit ihm zu kuscheln, ist das Schönste am Tag“, sagt seine Mama Daniela B. und strahlt. Ihr Mann Daniel B., der neben ihr sitzt, fügt an: „Benedikt gefällt das auch richtig gut, das spüren wir.“ Plötzlich streckt sich eine winzige Hand aus dem Baumwolltuch hervor. „Er möchte immer etwas greifen“, erklärt Daniel B. „Manchmal nimmt er dann den Schlauch seiner Magensonde. Wir müssen aufpassen, dass er den nicht rauszieht.“ DanieFRÜHSTART INS LEBEN Das Team der Neonatologie des Uniklinikums Erlangen versorgt selbst kleinste Frühchen – mit behutsamer Zuwendung und medizinischem Spezialwissen. Wenn die Klinikzeit endet, übernimmt der Bunte Kreis Erlangen die Betreuung zu Hause. Wir haben zwei Familien an unterschiedlichen Punkten ihres persönlichen Weges getroffen. VON FRANZISKA MÄNNEL la B. bietet ihrem Sohn stattdessen ihren Zeigefinger an. Sein Händchen umschließt ihn und lässt ihn nicht mehr los. Benedikt liegt aktuell in der Neonatologie des Uniklinikums Erlangen. Wenn Eltern hier mit ihrem Kind kuscheln, heißt das „Känguruhen“. Es gehört fest zum Tagesablauf. Denn der direkte Kontakt, Haut auf Haut, stärkt die Bindung und hilft dem Kind, sich zu entwickeln, Atmung, Herzschlag und Temperatur zu regulieren. Elternwärme ist Medizin. „Wir haben mit 30 Minuten angefangen, jetzt sind es manchmal drei Stunden“, sagt Daniela B. „Frühgeborene haben ja öfter Schwankungen beim Puls und bei der Sauerstoffsättigung. Beim Känguruhen kommt das aber viel seltener vor.“
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