Gesundheit erlangen - Herbst 2026

| 47 Kopfsache Wie weit verbreitet ist die Erkrankung? Rund fünf Prozent der Bevölkerung erleben im Laufe ihres Lebens einen epileptischen Anfall, beispielsweise Kinder während einer fieberhaften Erkrankung. Ist die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Anfall stark erhöht oder treten zwei nicht provozierte Anfälle – also Anfälle ohne konkreten Anlass – im Abstand von mehr als 24 Stunden auf, sprechen wir von Epilepsie. Insgesamt ist etwa ein Prozent der Menschen davon betroffen. Welche Ursachen können vorliegen? Die Epilepsie ist eine unspezifische Reaktion des Gehirns. Grundsätzlich kann jede Schädigung des Gehirns die Nervenzellen so verändern, dass letztlich eine Epilepsie entsteht. Mögliche Ursachen sind beispielsweise Schädelhirntraumata, Gehirnentzündungen oder Hirntumoren. Auch eine genetische Veranlagung kann eine Rolle spielen. Oft lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache feststellen. Können Stress oder äußere Reize Anfälle begünstigen? Viele Betroffene berichten, dass es Situationen gibt, in denen bei ihnen das Risiko für einen epileptischen Anfall erhöht ist. Das ist aber sehr individuell: Bei manchen ist es Stress, bei anderen Entspannung. Außerdem können hormonelle Schwankungen im weiblichen Zyklus, Hunger oder Durst einen Einfluss haben. Um auf Ihre Eingangsfrage zurückzukommen: Auch flackerndes Licht, etwa in Diskotheken, kann zu einem epileptischen Anfall führen. Allerdings ist das nur bei einem sehr kleinen Teil der Betroffenen so. Wichtig ist: Man wird in der Regel nicht anfallsfrei, indem man mögliche Trigger vermeidet. Zwar lässt sich damit der Zeitpunkt der Anfälle etwas beeinflussen, nicht aber, dass es dazu kommt. Eine zwanghafte Das Wort „Epilepsie“ leitet sich vom griechischen Wort „epilambanein“ ab. Ins Deutsche übersetzt bedeutet das so viel wie „überfallen“, „angreifen“ oder „überwältigen“. Triggervermeidung kann sogar seelisch belastend sein und ist daher häufig wenig zielführend. Manche Patientinnen und Patienten berichten von einer Aura zu Beginn der Anfälle, also von Sinnes-, Gefühls- oder Wahrnehmungsveränderungen. Was hat es damit auf sich? Bei der epileptischen Aura handelt es sich im Grunde bereits um eine kleine epileptische Entladung – also um einen Anfall, bei dem das Bewusstsein jedoch erhalten bleibt. Wie erfolgt die Diagnosestellung, wenn ein Verdacht auf Epilepsie besteht? In einem Anamnesegespräch fragen wir die Symptome und die Vorgeschichte ab. Da sich Betroffene oft selbst nicht gut an die Anfälle erinnern, suchen wir das Gespräch mit Angehörigen oder Personen, die einen Anfall beobachtet haben. Mithilfe eines EEGs, also der Elektroenzephalografie, lassen sich außerdem die Hirnströme messen. Diese sind bei Patientinnen und Patienten mit Epilepsie oft verändert – häufig auch dann, wenn gerade gar kein akuter Anfall stattfindet. Im MRT kann bei einigen Betroffenen außerdem herausgefunden werden, welche Schädigung im Gehirn die epileptischen Anfälle auslöst. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Der erste Schritt ist eine Therapie mit anfallsunterdrückenden Medikamenten. Dabei muss man häufig ein wenig rumprobieren und schauen, welches Präparat bei der jeweiligen Person am besten wirkt. Wenn das nicht erfolgreich ist und im MRT sichtbar wurde, welches Areal zur epileptischen Aktivität im Gehirn führt, kann ein epilepsiechirurgischer Eingriff in → Video: Epileptischer Anfall – was tun? www.gesundheit-erlangen.com

RkJQdWJsaXNoZXIy ODIyMTAw