48 |Kopfsache Fortsetzung von S. 47 Erwägung gezogen werden. Dabei wird das geschädigte Gewebe entfernt, durchtrennt oder verödet. Außerdem kommen noch Verfahren wie die Tiefenhirn- oder die Vagusnervstimulation infrage: Ein implantierter Schrittmacher moduliert dabei die unkontrollierten Nervensignale. Das kann die Anfallshäufigkeit verringern. Am Epilepsiezentrum des Uniklinikums Erlangen können wir in enger Zusammenarbeit mit der Neurochirurgischen Klinik alle Therapieoptionen anbieten. Wie Erfolg versprechend sind diese Therapien? Mit den aktuell zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten lässt sich bei rund 60 bis 70 Prozent der Betroffenen eine Anfallsfreiheit erreichen. Bei vielen weiteren sinkt zumindest die Anfallsfrequenz. Nur bei einem kleinen Teil der Patientinnen und Patienten kann bisher keine nennenswerte Verbesserung erzielt werden. Aber die Forschung arbeitet daran, auch für sie passende Therapieangebote zu entwickeln. Was bedeutet die Erkrankung für den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen? Das ist ein sehr wichtiger Aspekt. Obwohl die Anfälle nur wenige Minuten dauern, sind die Auswirkungen auf das Leben der Patientinnen und Patienten immens. Betroffene dürfen nicht mehr Auto fahren, solange sie nicht anfallsfrei sind – das ist gerade für Europäische Expertise für Epilepsie Das Epilepsiezentrum des Uniklinikums Erlangen ist Teil des Europäischen Referenznetzwerks EpiCARE. Darin erforschen und therapieren Spezialistinnen und Spezialisten aus 26 europäischen Ländern seltene und komplexe Epilepsien. Empowerment bei Epilepsie Das Epilepsiezentrum des Uniklinikums Erlangen bietet in Kooperation mit dem Epilepsiezentrum des Krankenhauses Rummelsberg das Schulungsprogramm MOSES an. Dieses unterstützt Menschen mit Epilepsie dabei, ihre Erkrankung besser zu verstehen und sicherer mit ihr umzugehen. In kleinen Gruppen vermittelt MOSES Wissen zu Diagnostik, Therapie und psychosozialen Belastungen, stärkt Selbsthilfe und Eigeninitiative und ermöglicht den Austausch mit ande- ren Betroffenen. Die nächste Schu- lung ist bereits in Planung. Weitere Informationen: www.uker.de/nl-moses Menschen mit Epilepsie können genauso belastbar und erfolgreich sein wie Personen ohne die Erkrankung! Prof. Dr. Hajo Hamer Menschen aus ländlichen Regionen sehr einschneidend. Manche berufliche Tätigkeiten können mit Epilepsie nicht mehr oder nur mit Einschränkungen ausgeführt werden, etwa im Handwerk und in der Indus- trie, wenn Maschinen zum Einsatz kommen, die während eines Anfalls zur Gefahr werden könnten. Auch Berufe im sozialen oder medizinischen Bereich sind zum Teil nur eingeschränkt möglich. Häufig hat die Erkrankung den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge. Hinzu kommt oft eine Stigmatisierung im Freundes- und Bekanntenkreis, die zu Einsamkeit führt. Außerdem steigt das Risiko, eine Depression oder eine Angststörung zu entwickeln. Alles zusammen kann im schlimmsten Fall zum sozialen Abstieg führen. Das sind sehr schwerwiegende Folgen. Ja, aber eine frühzeitige Behandlung kann helfen, alledem entgegenzuwirken!
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