Fortsetzung von S. 9 Immuncheckpoint-Inhibitoren. Das sind Antikörper, die das körpereigene Immunsystem aktivieren, damit es den Krebs selbst bekämpfen kann.“ Bei den meisten metastasierten Melanomen beginnen die Erlanger Hautkrebsexpertinnen und -experten sofort mit einer Immuntherapie. Die Patientinnen und Patienten bekommen Infusionen, in der Regel so lange, bis kein Krebs mehr nachweisbar ist – vorausgesetzt, die Nebenwirkungen sind tolerier- und behandelbar. Der aktuelle Goldstandard ist eine Kombination der Antikörper Ipilimumab und Nivolumab; auch Marija P. erhielt diese Wirkstoffe. „Immuntherapien haben die beste Langzeitwirkung. Die Hälfte der Behandelten führen wir damit in Richtung Langzeitüberleben. Für die andere Hälfte forschen wir weiter“, betont Prof. Berking. „Alternativ gibt es auch sogenannte zielgerichtete Therapien in Tablettenform, die den Tumor direkt attackieren und sein Wachstum hemmen. Leider bilden sich dabei aber schnell Resistenzen und die Krebszellen finden Wege, das Medikament zu umgehen.“ Der Preis der starken Wirkung Bei Marija P. schlug die Immuntherapie außergewöhnlich gut und schnell an: Ihr anfangs 20-fach erhöhter Tumormarker sank innerhalb von sechs Wochen in den Normalbereich. „Häufig geht eine sehr gute Wirkung aber leider auch mit stärkeren Nebenwirkungen einher“, räumt Carola Berking ein. „Das liegt daran, dass das Immunsystem sehr stark aktiviert wird und dabei auch gesunde körpereigene Strukturen angreift.“ Häufig beobachte sie Darm-, Leber- und Schilddrüsenentzündungen, Hautausschläge mit Juckreiz, Entzündungen der hormonproduzierenden Hirnanhangsdrüse oder einen neu auftretenden Diabetes. „Da steuern wir schnell mit entzündungshemmenden Medikamenten oder auch mit Ersatzhormonen gegen.“ Folgenreicher seien jedoch oft neurologische Nebenwirkungen, etwa Entzündungen von Gehirn und Nerven – so auch bei Marija P. Weil ihr Immunsystem intensiv reagierte, bekam sie entzündliche Schwellungen am Augenhintergrund – mit Folgen für ihre Sehkraft. „Aber der Krebs war zurückgegangen, die Immuntherapie hatte angeschlagen“, betont Dr. Erdmann. „Sobald das passiert, beenden wir die Infusionen, um alle Organfunktionen bestmöglich zu schützen.“ Bis heute ist das Sichtfeld der Patientin eingeschränkt und sie sieht wie durch Nebel. Auch ihr Darm war durch die Immuntherapie stark entzündet. „Aber ich hatte immer ein Warum. Ich habe das in Kauf genommen, um gesund zu werden. Als die Metastasen zurückgingen, habe ich geschrien vor Glück“, erzählt sie. Weniger Nebenwirkungen, neue Ansätze Seit April 2026 ist in Deutschland eine neue Kombination von Checkpoint-Inhibitoren verfügbar: Nivolumab und Relatlimab. Sie kommen für BetrofIm neuen Interdisziplinären Tumortherapiecentrum (ITC) des Uniklinikums Erlangen bekommen alle Krebspatientinnen und -patienten ihre individuellen Infusionen. Auch Junge betroffen Bei 25- bis 29-jährigen Frauen ist das Melanom die häufigste Tumorart. 10 | Titel
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