Gesundheit erlangen - Sommer 2026

Mehr als weiße Flecken VITILIGO Erst verlieren einzelne Stellen ihre Farbe, dann werden immer größere Flächen blass. Und mit jedem weißen Hautfleck nimmt die seelische Belastung bei vielen Betroffenen zu: Bis zu zwei Prozent der Menschen weltweit leben mit Vitiligo. Was die Erkrankung für sie bedeutet, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und was Hoffnung schenkt. VON MAGDALENA HÖGNER Es war 1973, als Georg Pliszewskis Haut an einzelnen Stellen farblos wurde. Erst an den Händen und den Armen, später auch im Gesicht. Die Diagnose: Vitiligo, auch Weißfleckenkrankheit genannt. „Damals gab es ja noch kein Internet. Ich konnte mich weder informieren noch mit anderen Betroffenen austauschen. Ich wusste nur, dass ich helle Flecken auf der Haut hatte, dass sie sich ausbreiteten und dass es eine Autoimmunerkrankung ist“, erzählt der heute 70-Jährige. „Vitiligo ist die häufigste depigmentierende Hauterkrankung weltweit“, ordnet PD Dr. Anke Hartmann ein. Sie ist Oberärztin der Hautklinik des Uniklinikums Erlangen und leitet dort die Sprechstunde für Pigmentstörungen. „Das Immunsystem der Patientinnen und Patienten greift fälschlicherweise Melanozyten, also pigmentbildende Zellen, an. Das führt dazu, dass die Haut an diesen Stellen farblos wird und weiße, scharf abgegrenzte Flecken entstehen.“ Ausgelöst wird die Erkrankung vermutlich durch ein Zusammenspiel aus einer genetischen Veranlagung – sogenannten Empfänglichkeitsgenen – und äußeren Faktoren wie Stress, Verletzungen oder Infektionen, die das anfällige Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen. Die Empfänglichkeitsgene erhöhen auch das Risiko von Vitiligo-Betroffenen, andere Autoimmunerkrankungen, etwa Schilddrüsenfunktionsstörungen, zu entwickeln. Zugleich schützt sie ihr hyperaktives Immunsystem vor anderen Erkrankungen wie weißem und schwarzem Hautkrebs oder Lymphdrüsenkrebs. Seelisch belastend „Wir unterscheiden zwischen nicht-segmentaler und segmentaler Vitiligo. Letztere ist einseitig, entsteht häufig im Kindesalter und bleibt nach einem einmaligen Schub meist unverändert“, erläutert Anke Hartmann. „Bei der nicht-segmentalen Vitiligo sind beide Körperhälften betroffen. Hier beobachten wir oft einen schubweisen Verlauf.“ Obwohl die veränderten Hautstellen nur selten jucken, brennen oder andere Beschwerden verursachen, ist die Belastung für viele Patientinnen und Patienten groß – besonders dann, wenn die hellen Flecken an gut sichtbaren Körperstellen auftreten. „Einige erleben Ausgrenzung, etwa in der Schule oder auf der Arbeit. Sie ziehen sich zurück, gehen nicht mehr ins Schwimmbad, sagen Treffen mit Freundinnen und Freunden ab. Das mindert die Lebensqualität enorm“, ordnet Dr. Hartmann ein. Zugleich sei es oft auch die Angst vor weiteren Schüben, die lähme. „Viele fühlen sich ohnmächtig und haben Sorge, dass sich die Flecken ausbreiten.“ Auch Studien belegen, dass Vitiligo mit einer hohen seelischen Be12 |Titel

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