Gesundheit erlangen - Sommer 2026

Lebendige Beispiele MENTORINNEN UND MENTOREN Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, kann es ängstlich sein, sich erschöpft, niedergeschlagen oder einsam fühlen. Was da wohl alles noch kommt? Junge Frauen und Männer, die den Krebs überwunden haben, zeigen Patientinnen und Patienten, dass es eine Zeit nach der Krankheit gibt. VON FRANZISKA MÄNNEL „Sie haben mir den ganzen Lymphknoten rausgenommen“, erzählt Yeliz, während sie kleine runde Steine mit Filzstiften bemalt. Die Zehnjährige, die 2025 die Diagnose Lymphdrüsenkrebs bekam, sitzt im Spielzimmer der kinderonkologischen Station des Uniklinikums Erlangen – zusammen mit einer anderen Patientin und mit Emilia, Nico und Jarl. Die drei jungen Erwachsenen waren vor wenigen Jahren selbst noch in der Onkologie in Behandlung. Heute schenken sie anderen Betroffenen ihre Zeit und teilen Erfahrungen – im Rahmen eines Mentorenprogramms. Einmal im Monat gibt es ein Kreativprojekt für die Kinder und Jugendlichen auf Station. „Das soll ein Tic-Tac-Toe-Spiel werden, ein ,Drei gewinnt‘“, erklärt Mentorin Emilia die Idee für heute. „Die Steine kommen dann in ein kleines Stoffsäckchen, und da malen wir das Spielfeld drauf.“ Ende 2023 bekam die heute 20-Jährige dieselbe Diagnose wie Yeliz: Hodgkin-Lymphom. Auch Emilia wurde am Uniklinikum Erlangen behandelt. Seit Anfang 2024 ist die junge Frau krebsfrei. „Und, wie verträgst du die Behandlung?“, fragt sie Patientin Yeliz. „Von der Chemo wird mir immer heiß, aber übel eigentlich nicht“, antwortet das Mädchen, das im Zuge der Therapie seine langen, dunkelbraunen Haare verloren hat. Auch Jarl, 18 Jahre alt, ist heute krebsfrei; der 22-jährige Nico hat eine schwere Störung der Knochenmarksfunktion überstanden. Genau wie Emilia engagieren sich die beiden seit ein paar Monaten ehrenamtlich in der Kinderonkologie. Sie alle sind lebendige Beispiele dafür, dass es sich trotz Krebs lohnt, mutig nach vorn zu schauen. Bist du bereit dafür? Das Mentorenprogramm wird von der Elterninitiative krebskranker Kinder Erlangen e. V. organisiert und vollständig durch Spenden finanziert. Aktuell beteiligen sich daran sieben junge Survivor – also Krebsüberlebende beziehungsweise Überlebende Die Initiatorinnen Eva-Maria Wild und Julia E., beide ehemalige Krebspatientinnen, haben das Erlanger Mentorenprogramm 2014 ins Leben gerufen. „In der Coronazeit wurde es leider ziemlich heruntergefahren und wir sind froh, dass wir 2025 mit neuen Ehrenamtlichen wieder durchstarten konnten“, erklärt Julia E. Eva-Maria Wild, die in der Erlanger Kinderonkologie erst Mentorin und später sogar Ärztin wurde, sagt: „Es geht bei diesem Angebot um die Momente zwischen den Therapien, um Gefühle, ums Mutmachen. Um Fragen, die Ärztinnen und Ärzte nicht beantworten können, zum Beispiel: Wie fühlt es sich an, ohne Haare rauszugehen?“ – Julia E. ergänzt: „Ein krebskrankes Kind hört oft viele aufmunternde Worte von Erwachsenen. Aber wenn jemand sagt ,Ich weiß, wie sich das anfühlt‘, hat das eine ganz andere Wirkung.“ 20 | Feature

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