Fortsetzung von S. 21 bekam eine Knochenmarktransplantation. Aber sie hat überlebt. Chiara Pohl ist heute 23 Jahre alt, hat ein Buch über ihre Geschichte geschrieben und mich vor ein paar Tagen angerufen: Sie will Mentorin werden und zeigen, dass Heilung und noch viel mehr möglich ist.“ Für dich und für mich Alle aktuellen Survivor wurden selbst in Erlangen behandelt. In die Klinik zurückzukehren, bedeutet, ein Stück weit auch sich selbst und die eigene Vergangenheit wiederzutreffen. „Der Geruch, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von damals, Patientengeschichten – da kommen Erinnerungen hoch“, weiß Ulrike Hetzner. „Aber das bedeutet auch Verarbeitung. Mentor zu sein, ist ein gutes ,Gegenmittel‘ gegen die Ohnmacht, die viele ehemalige Betroffene im Lauf ihrer Erkrankung gespürt haben. Jetzt können sie wieder Selbstwirksamkeit erleben.“ In der Psychologie wird der Begriff des posttraumatischen Wachstums verwendet, wonach aus körperlichem und emotionalem Leid nicht nur eine psychische Belastung, sondern auch Positives erwachsen kann: So können sich Krebsüberlebende nach überstandener Krankheit stärker, empathischer und dankbarer fühlen als vorher. Nicht selten richten sie ihren Kompass neu aus und verfolgen ganz bewusst die Dinge, die ihrem Leben Sinn geben. „Ich will etwas zurückgeben“, begründet Mentor Nico seine Motivation. Von seinem 15. bis zu seinem 19. Lebensjahr wurde er in der Kinderonkologie wegen einer seltenen Knochenmarkserkrankung betreut. „Ich habe mich als Patient immer so gut aufgehoben gefühlt. Vor allem Sport und psychologische Gespräche haben mich als Jugendlicher abgeholt“, sagt er und ergänzt lachend: „Klinikclowns eher weniger. Insofern denke ich, dass ich gerade für Jugendliche da sein kann. Ich habe auch gemerkt, dass es für Eltern sehr wertvoll ist, mir Fragen zu stellen und meine Erfahrungen zu hören“, erklärt er. „Ich möchte den Patientinnen und Patienten Interesse entgegenbringen und ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind. Und ich finde es sinnvoll, ihnen Beschäftigungsangebote zu machen. Viele sind wie ich lange hier und oft ist einem langweilig. Dann ist es schön, die Kraft, die man hat, zum Beispiel für etwas Kreatives zu nutzen“, so der Mentor weiter. Was macht dich aus? „Ich sehe, du hast ein Paris-Trikot an“, richtet sich der 22-Jährige an Patientin Yeliz, die bereits fünf hellblaue Steine für ihr Tic-Tac-Toe-Spiel fertig grundiert hat und nun zu einer rosa Serie übergeht. „Ja, das hat mir mein Papa gekauft“, entgegnet die Ich möchte den Patientinnen und Patienten vermitteln, dass sie nicht allein sind. Nico Nico zeigt den Aushang der Survivorgruppe in der Elternküche auf Station: Wer Kontakt zu den Mentorinnen und Mentoren aufnehmen möchte, kann sich per E-Mail melden. 22 | Feature
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