Parasiten im Paradies INFEKTIONEN AUF REISEN Wer gern in wärmeren Regionen unterwegs ist, bringt manchmal nicht nur unvergessliche Erinnerungen, sondern auch Krankheitserreger mit nach Hause. Wie es gar nicht erst so weit kommt – und wann Reisende hellhörig werden sollten. VON FRANZISKA MÄNNEL Das Obst am Stand des Straßenverkäufers in Südostasien sieht verlockend aus, ebenso der blaugrüne Süßwassersee in Afrika, der Abkühlung verheißt. Ein paar Mückenstiche in der Dämmerung sollten die Urlaubsstimmung doch nicht trüben – oder? „Trotz aller Reiselust rate ich immer dazu, einige Informationen und eine vernünftige Vorsicht mit im Gepäck zu haben“, sagt Prof. Dr. Christian Bogdan, Direktor des Mikrobiologischen Instituts – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene des Uniklinikums Erlangen. So könne man unliebsame Urlaubsmitbringsel wie Parasiten weitgehend vermeiden. „Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist es, zu wissen, welche Gefahren und Übertragungswege für Infektionen es gibt. Daraus können dann einfache Schutzmaßnahmen abgeleitet werden“, erklärt der Experte. Erkrankungen und Schutzmaßnahmen Parasiten sind Lebewesen, die einen anderen Organismus zum Überleben brauchen – einen sogenannten Wirt. Sie lassen sich zunächst in Ekto- und Endoparasiten einteilen. Erstere leben auf der Körperoberfläche – zum Beispiel Läuse, Flöhe, Milben und Bettwanzen. Endoparasiten hingegen besiedeln das Innere des Wirts, etwa den Darm, oder breiten sich sogar in seinen Geweben und Zellen aus. Endoparasiten werden in Einzeller und Würmer unterteilt. „Infektionen geschehen auf verschiedenen Wegen“, erklärt Prof. Bogdan. „Dazu gehören zum Beispiel Stechmücken, Raubwanzen und Zecken, die unter anderem die für die Malaria, die Leishmaniose, die Chagas-Erkrankung oder die Babesiose verantwortlichen Einzeller übertragen. Wer kontaminiertes Wasser trinkt, kann sich Darmparasiten wie Giardien, Amöben oder Kryptosporidien einfangen. Und der Verzehr von rohem Fleisch birgt die Gefahr der Toxoplasmose oder der Zystizerkose in sich“, so der Mikrobiologe. „Das Baden in warmen Süßwasserseen kann die Wurmerkrankung Bilharziose hervorrufen und Barfußlaufen stellt ein Risiko für einen Befall mit Hakenwürmern oder Sandflöhen dar – natürlich alles nur in Endemiegebieten, also solchen Regionen, in denen diese Gut zu wissen Parasiten bleiben oft lange unbemerkt im Körper und können auch erst Jahre später Beschwerden verursachen – zum Beispiel, wenn das Immunsystem durch Medikamente oder eine andere Infektion geschwächt ist. 28 | Medizin
RkJQdWJsaXNoZXIy ODIyMTAw