| 23 Feature 80 Kilometer rund um Erlangen In diesem Radius ist das Team des Bunten Kreises Erlangen unterwegs. Familien, die weiter weg wohnen, werden von den Erlanger Expertinnen mit anderen Partnern aus dem Netzwerk des Bundesverbands Bunter Kreis e. V. vernetzt. Mittlerweile gibt es knapp 100 Nachsorgestandorte in ganz Deutschland. schwer. „Aber wenn wir uns Sorgen machen, rufen wir an. Nach zwei Sekunden geht hier jemand ran“, sagt Daniel B. Dieses Informieren und Einbinden helfe dem Paar, Ängste ab- und Vertrauen aufzubauen. Und dennoch: Die Situation ändert sich manchmal täglich. Benedikts Gesundheitszustand ist noch nicht stabil. Freude und Sorge, Fortschritt und Rückschlag, Hoffnung und Verzweiflung – all das liegt in der Neonatologie eng beisammen. Von der Klinik ins Kinderzimmer Petra Oehrlein vom Nachsorgeprogramm Bunter Kreis Erlangen kennt diese Schwankungen. „Leider ist dieses Auf und Ab ein recht häufiges Phänomen“, weiß die Fachkinderkrankenschwester. Der Bunte Kreis bietet eine sozialmedizinische Nachsorge zu Hause an, um Familien mit frühgeborenen, schwer oder chronisch kranken Kindern bis 14 Jahren den Übergang von der Klinik in den Alltag zu erleichtern. Das Team besteht aus Case-Managerinnen, Pflegefachfrauen, einer Sozialpädagogin und einer Kinderärztin. „Das Angebot gilt für Kinder mit mindestens einer medizinischen Diagnose – etwa extreme Frühgeburtlichkeit. Das betrifft also alle, die wie Benedikt in beziehungsweise vor der 30. Schwangerschaftswoche geboren wurden, die zu wenig wiegen oder andere gesundheitliche Probleme haben, beispielsweise mit der Atmung oder mit dem Darm“, erklärt Petra Oehrlein. Bereits in der Neonatologie nimmt das Team des Bunten Kreises mit den Familien Kontakt auf und fragt deren Bedarf ab – so auch bei Daniela und Daniel B. „Ich denke, wir würden die Nachsorge gern in Anspruch nehmen, um auch nach der Entlassung jemanden an unserer Seite zu haben“, blickt Benedikts Mama in die Zukunft. Drei Frühgeborene auf einmal Eine andere Familie ist diesen Weg bereits gemeinsam mit Petra Oehrlein gegangen: Gizem T. und Serhat M. wurden im März 2025 Eltern der Drillinge Serem, Karan und Yaman. Auch sie wurden viel zu früh – in der 26. Schwangerschaftswoche – geboren, wogen jeweils nur zwischen 540 und 700 Gramm. In der 21. Schwangerschaftswoche hatte Gizem T.s Gynäkologe die Kinder im Mutterleib per Ultraschall untersucht und auch die Länge des Gebärmutterhalses gemessen. „Auf einmal wurde der Arzt ganz weiß. Er sagte, dass ich sofort ins Uniklinikum müsse“, berichtet die 38-Jährige. In der Erlanger Frauenklinik wurde ihr ein Pessar eingesetzt, das den Druck auf den Muttermund reduzieren sollte. „Aber drei Kinder drücken eben auch stärker als eins“, ordnet Petra Oehrlein ein. „Ich erinnere mich, dass mich Prof. Reutter aus der Neonatologie schon in der Frauenklinik immer wieder besuchte. Das Team wollte die Geburt bis mindestens zur 30. Woche hinauszögern. Leider wurde das nichts“, erzählt die Drillingsmama. Die ersten ein bis zwei Wochen in der Neonatologie verliefen für die drei Frühchen den Umständen entsprechend gut. „Aber dann ist es bei Yaman komplett eskaliert. Sein Darm war schwer entzündet. Es ging um Leben und Tod“, sagt Gizem T., und noch einmal kommt der Schmerz von damals hoch. „Er hatte noch so einen langen Weg vor sich.“ Yaman – auf Türkisch heißt das Kämpfer. → Mehrlingsgeburten … sind am Uniklinikum Erlangen sehr gut aufgehoben. So wurden u. a. von 2020 bis 2025 an der Erlanger Frauenklinik zwei Vierlingsschwangerschaften und 15 Schwangerschaften mit Drillingen betreut – eine davon war die von Gizem T.
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