| 35 Medizin Anzeige Natürlicher Autofokus Die Augenlinse bündelt das einfallende Licht und lenkt es auf die Netzhaut. So entsteht ein scharfes Bild. Zugleich kann die Linse ihre Form verändern: Beim Blick in die Ferne ist sie flacher, beim Lesen oder bei Handarbeiten wird sie runder. Dadurch kann das Auge sowohl in der Ferne als auch in der Nähe scharf stellen. Erlanger Pionierleistung Im November 2017 führte Prof. Dr. Friedrich E. Kruse, Direktor der Augenklinik des Uniklinikums Erlangen, die deutschlandweit erste vollständige Laseroperation des Grauen Stars durch. Dabei kam die Lasertechnik nicht nur für einzelne Schritte, sondern für den gesamten Eingriff zum Einsatz. Die moderne Katarakttherapie Würde Wilhelm F. heute leben, müsste er sich angesichts einer Behandlung seines Grauen Stars weder vor Starstechern oder schweren Starbrillen noch vor einer wochenlangen Heilungsdauer fürchten. Heute ist die Kataraktoperation ein häufiger und sehr sicherer Eingriff. Die OP findet unter lokaler Betäubung statt, dauert in der Regel nur 15 bis 30 Minuten und erfolgt meist ambulant. Ausgehend von Harold Ridleys Entdeckung wurden in den vergangenen Jahrzehnten außerdem Formeln zur präzisen Berechnung der Linsenstärke konzipiert und verschiedenste Kunstlinsen entwickelt, die heute genauestens auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zugeschnitten sind. Je nach Augenanatomie, Sehgewohnheiten und medizinischen Gegebenheiten kommen unterschiedliche Linsentypen infrage – etwa Linsen für die Ferne, torische Linsen zum Ausgleich einer Hornhautverkrümmung oder Mehrstärkenlinsen, die das Sehen in verschiedenen Entfernungen unterstützen. Spezialisierte Einrichtungen wie die Augenklinik des Uniklinikums Erlangen bieten außerdem femtolaser- assistierte Kataraktoperationen an. Dieses Verfahren ermöglicht einen noch schonenderen und noch präziseren Eingriff: Wo bisher per Hand und Skalpell operiert wurde, setzt nun ein berührungsloser Laser mit computergestützter Präzision an. Mit dieser Entwicklung – vom Starstich zur Laserchirurgie – hat der Graue Star heute seinen Schrecken weitgehend verloren. Was Wilhelm F. im 17. Jahrhundert wie ein Wunder erschienen wäre, ist für viele Patientinnen und Patienten längst ein planbarer Eingriff geworden – und der Blick nach vorn bleibt spannend.
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