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Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Der Weg ist das Ziel

Sie gehen bis zur Schmerzgrenze – und kommen doch nicht weit. Menschen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit leiden unter krampfartigen Schmerzen in den Beinen. Wie Prävention und frühzeitige Behandlung helfen.

Stand: März 2026, erschienen in Magazin „Gesundheit erlangen“, Frühling 2026 
Text (wird nicht aktualisiert): Magdalena Högner/Uniklinikum Erlangen
Fotos: KI-generiert; Michael Rabenstein/UK Erlangen

Der Weg zum Supermarkt fällt schwer, das Spielen mit den Enkeln wird zur Belastungsprobe, der sonntägliche Spaziergang ist mehr Qual als Erholung. Stehen bleiben, durchatmen und abwarten, bis der Krampf in den Beinen abklingt. Situationen wie diese gehören zum Alltag von Menschen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK), einer gefährlichen Durchblutungsstörung. „Bei der pAVK verengen Ablagerungen in den Gefäßen den Blutfluss, vor allem in den Arterien der Beine, gelegentlich auch in der Hüfte, der Lendenwirbelsäule oder in den Armen“, ordnet Prof. Dr. Ulrich Rother, Leiter der Gefäßchirurgischen Abteilung des Uniklinikums Erlangen, ein. Zurückzuführen ist dies meist auf eine ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung und Rauchen. Auch Bluthochdruck und Diabetes mellitus gelten als Risikofaktoren. Die Folge der verengten Gefäße: Die Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr in den betroffenen Körperregionen ist vermindert. 

Erkrankung in vier Phasen

„Zu Beginn macht sich die pAVK durch blasse und kalte Haut, Schwäche oder Empfindungsstörungen wie Kribbeln und Taubheit in den Beinen bemerkbar. Später treten in Bewegung krampfartige Schmerzen auf – bei manchen erst nach längerem Gehen, bei anderen schon nach wenigen Schritten“, erklärt Prof. Rother. „Die Betroffenen bleiben oft stehen, bis das Stechen nachlässt – wie bei einem Einkaufsbummel vor einem Schaufenster. Daher wird diese Phase auch ‚Schaufensterkrankheit‘ genannt.“ Schreitet die pAVK weiter voran, kommen Schmerzen in Ruhe hinzu, was den Schlaf und die Erholung der Betroffenen beeinträchtigt. In besonders schweren Fällen ist die Durchblutung so stark eingeschränkt, dass daraus Wundheilungsstörungen oder schmerzhafte Geschwüre resultieren. Im schlimmsten Fall ist eine Amputation des Beins erforderlich. 

Was helfen kann

„Die pAVK ist äußerst tückisch, denn sie bleibt oft lange unbemerkt“, sagt der Gefäßchirurg. „Unbehandelt belastet sie das gesamte Herz-Kreislauf-System und erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.“ Zugleich gibt es Hoffnung, denn die Erkrankung ist gut behandelbar – vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig erkannt. 

„Die Therapie richtet sich immer danach, wie weit die pAVK bereits fortgeschritten ist“, erklärt Prof. Rother. Demnach kann in einem frühen Stadium ein gesünderer Lebensstil eine deutliche Verbesserung erzielen. Zusätzlich wirken Cholesterin- und Blutdrucksenker sowie Blutverdünner unterstützend, und Schmerzen in den Beinen lassen sich durch regelmäßiges Gehen lindern. Ist die Erkrankung bereits so weit entwickelt, dass die Beschwerden auch in Ruhe auftreten, sind diese Maßnahmen jedoch nicht mehr ausreichend. „Bei einzelnen Engstellen in den Blutgefäßen ist dann eine interventionelle Angioplastie, also eine minimalinvasive Aufdehnung mittels Ballonkatheter, oder die Versorgung mit Stents möglich. Sind hingegen mehrere Stellen betroffen, ist oft ein Bypass notwendig. Dabei wird aus einer körpereigenen Vene eine Umgehung um das verengte Blutgefäß gebildet“, erläutert der Experte. 

Selbsttest

Tasten Sie Ihren Fußrücken und Ihren Fußknöchel innen ab. Ist ein Puls spürbar, ist eine relevante pAVK unwahrscheinlich. Fehlt der Puls, kann dies auf eine Durchblutungsstörung hinweisen. Wenden Sie sich in diesem Fall an Ihre hausärztliche Praxis. 

Schritt für Schritt zur Schmerzfreiheit

Doch jeder invasive Eingriff birgt Risiken – vor allem für Personen, deren Herz-Kreislauf-System ohnehin geschwächt ist. „Unsere langjährige Erfahrung zeigt, dass Menschen, die erste Anzeichen bemerken, den Verlauf durch einen gesunden Lebensstil und Medikamente deutlich verlangsamen können. So lässt sich ein invasiver Eingriff oft ganz vermeiden“, betont Prof. Rother. Für Raucherinnen und Raucher sei der Nikotinverzicht besonders wichtig. Studien zeigen außerdem, dass ein regelmäßiges, strukturiertes Gehtraining genauso effektiv gegen die Schmerzen hilft wie eine Operation – und das ganz ohne Risiko. „Natürlich dauert es da länger, bis sich Erfolge zeigen. Trotzdem empfehle ich, erst mal diesen Weg auszuprobieren“, bekräftigt der Gefäßchirurg. Zugleich weiß der Experte, dass die vermeintlich einfachen Präventionsmaßnahmen im Alltag oft untergehen. Daher rät er Betroffenen: „Fragen Sie in Ihrem Umfeld nach Unterstützung, um den neuen Lebensstil umzusetzen, oder schließen Sie sich einer Gefäßsportgruppe an – zusammen ist es oft einfacher als allein.“ 

Diagnostik

Die Diagnose der pAVK erfolgt meist in der hausärztlichen Praxis mittels Ultraschall oder Knöchel- Arm-Index. Hierbei wird der Blutdruck am Knöchel mit dem am Handgelenk verglichen. Ist der Blutdruck am Fuß niedriger als an der Hand, weist dies auf eine eingeschränkte Blutzufuhr im Bein hin. 

Schritt für Schritt

Ein strukturiertes Gehtraining zielt darauf ab, die Durchblutung in den verengten Gefäßen zu verbessern und die Strecke allmählich zu erhöhen. Gehen Sie hierfür so lange, bis Schmerzen in den Waden oder Oberschenkeln auftreten, und machen Sie dann eine Pause. Wenn der Schmerz nachgelassen hat, gehen Sie weiter. Bei regelmäßiger Wiederholung (drei- bis fünfmal die Woche) verlängern sich die schmerzfreien Strecken und die Pausen verkürzen sich. 

Gemeinsam gehen auf Rezept

Seit August 2023 bietet der TV 1848 Erlangen in Kooperation mit dem Uniklinikum Erlangen eine Gefäßsportgruppe an. pAVK-Betroffene können unter Anleitung ein Gehtraining in der Gruppe durchführen. Dieses gibt es auch auf Rezept.