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Organspende: 30 Jahre danach

„Mein Spender ist mein Leben“

Als Zehnjährige erhielt Barbara Hobmeier ein Spenderorgan – und damit ein neues Leben. Über 30 Jahre später besucht sie den Ort ihrer Transplantation und blickt mit tiefer Dankbarkeit zurück.

Stand: Juni 2026, erschienen im Magazin „Gesundheit erlangen“, Sommer 2026
Text (wird nicht aktualisiert): Magdalena Högner/Uniklinikum Erlangen
Fotos: Michael Rabenstein/Uniklinikum Erlangen; privat

Barbara Hobmeier ist auf dem Weg in den Operationssaal. Ihre Mutter und ihr Vater begleiten sie. Kurz vor der Schleuse zum OP heißt es Abschied nehmen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich ihre Wege hier trennen. Doch diesmal geht es Barbara Hobmeier gut und sie wird ihre Eltern gleich wiedersehen. Denn die 42-Jährige ist nur für einen Filmdreh ans Uniklinikum Erlangen gekommen – an jenen Ort, an dem sie als Zehnjährige in einer 13-stündigen Operation eine Spenderleber erhielt. „Es ist sehr bewegend, nach so vielen Jahren wieder hier zu sein und auch einige bekannte Gesichter wiederzusehen“, sagt Barbara Hobmeier und lächelt. „Es fühlt sich an, als würde sich der Kreis schließen.“

„Mama, ich möchte nicht sterben.“

Zusammen mit einer Zwillingsschwester kam Barbara Hobmeier 1983 in Landshut in Niederbayern gesund auf die Welt. Doch in den ersten Lebenswochen erkrankte das Mädchen an einem Magen-Darm-Virus – ein ver­meintlich harmloser Infekt mit schweren Folgen. Denn ihr Körper entwickelte daraufhin eine extrahepatische Gallengangsatresie: Die Gallengänge verengten sich und die Galle – ein Sekret, das für die Verdauung wichtig ist – konnte nicht mehr in den Darm fließen und staute sich stattdessen in der Leber. Eine Operation in der sechsten Lebenswoche brachte Linderung, jedoch keine vollständige Heilung. „Ich weiß aus Erzählungen meiner Eltern, dass meine Entwicklung als Kleinkind verzögert war. Ich hatte Gelbsucht, Wassereinlagerungen und litt an starkem Juckreiz“, erzählt Barbara Hobmeier. „Als ich in die Schule kam, wurde mir selbst zum ersten Mal be­wusst, dass etwas mit mir nicht stimmt. Außerdem hatte ich immer meine Zwillingsschwester als Vergleich – sie war ein Spiegelbild, das mir zeigte, wie es hätte sein können.“ Ab dem achten Lebensjahr verschlechterte sich ihr Zustand drastisch: Plötzlich kamen Krampfan­fälle und Magenblutungen hinzu. Eines Tages sagte sie zu ihrer Mutter: „Mama, ich möchte nicht sterben.“

Das Warten auf ein Organ

Angesichts ihrer schwindenden Gesundheit stand fest: Das Mädchen brauchte eine Spenderleber – und zwar möglichst bald. Barbara Hobmeiers Eltern brachten ihre Tochter daher in die Kinder- und Jugendklinik des Uni­klinikums Erlangen, wo erste Voruntersuchungen für eine Organtransplantation gemacht wurden. Von da an hieß es warten und hoffen. Am 2. Juni 1994 – nach rund 16 Monaten auf der Warteliste – kam schließlich die erlösende Nachricht: Es gibt ein passendes Spenderorgan für Barbara! Die Verabschiedung von ihren Eltern vor der Operation hat sich in Barbara Hobmeiers Gedächtnis eingebrannt. „Mir war bewusst: Entweder gelingt der Eingriff oder ich sehe Mama und Papa nie wieder.“ Die Transplantation war erfolgreich – und das zehnjährige Mädchen bekam eine Zukunft geschenkt.

Pionierleistung in Erlangen

1994 war Barbara Hobmeier das erste Kind in Bayern, das eine Split-Lebertransplantation erhielt. Dabei wird die Leber einer verstorbenen erwachsenen Spenderin bzw. eines erwachsenen Spenders geteilt, sodass sie zwei Menschen zugutekommen kann. Auch 1966 war Erlangen bereits Vorreiter: Mit einer erfolgreichen Lebendnierentransplantation wurde hier das erste Transplantationszentrum Bayerns und das dritte Deutschlands ins Leben gerufen. 

Die Frage nach dem Spenderausweis

Heute, 32 Jahre später, lebt Barbara Hobmeier in Altötting, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Seit zehn Jahren engagiert sie sich aktiv für Organspende: Sie hält Vorträge, besucht Schulen, erzählt ihre Geschichte und verleiht einer abstrakten Zahl ein Gesicht: 8.199. So viele Menschen standen 2025 in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan – darunter auch viele Kinder und Jugendliche. „Das Thema Organspende ist nach wie vor ein Tabuthema. Ich möchte mit meiner Geschichte Mut machen – sowohl Betroffenen auf der Warteliste als auch Menschen, die sich in der Frage nach einem Organspendeausweis noch unschlüssig sind“, sagt Barbara Hobmeier. Dabei gehe es ihr nicht darum, dass jede und jeder Ja ankreuzt. „Mir ist es wichtig, dass man sich aktiv mit der Frage auseinandersetzt – ganz unabhängig davon, wie die Entscheidung ausfällt“, betont sie.

Zeitreise im BR Fernsehen

Bei ihrem Besuch am Uniklinikum Erlangen wurde Barbara Hobmeier von einem Filmteam begleitet. Die Reportage „Mein geschenktes Organ“ läuft am Montag, 13. Juli 2026, um 22.00 Uhr im BR Fernsehen.

Ein Leben vervielfacht

Wie viel sie ihrem Spender zu verdanken hat, macht sich Barbara Hobmeier jeden Tag aufs Neue bewusst. Vor jedem ihrer Organspende-Vorträge zündet sie eine Kerze für ihn an und auch im Alltag denkt sie oft an ihn. „Der 2. Juni, der Tag meiner Transplantation, ist mit Trauer und tiefer Dankbarkeit verbunden – um und für einen jungen Mann, der an diesem Tag sein Leben verlor, und eine Familie, die an diesem Tag ihren Sohn verabschieden musste“, sagt sie. „Ein Angehöriger ei­nes Spenders sagte einmal zu mir: ,Mit deinen Töch­tern hast du das Leben, das dir anvertraut wurde, mul­tipliziert‘“, erinnert sich Barbara Hobmeier. „Dieser Satz begleitet mich bis heute.“

110 Organe transplantiert

Im vergangenen Jahr konnten am Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg 110 Personen erfolgreich transplantiert werden – davon erhielten 42 eine Lebendnierenspende.

Organspenderegister

Seit 2024 gibt es in Deutschland das Organspenderegister. Der Eintrag ist freiwillig, kostenlos und jederzeit änderbar. Das Register ergänzt den klassischen Organspendeausweis. 

www.organspende-register.de/erklaerendenportal