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Carotisstenose: Engpass gemeistert

Eine Verengung der Halsschlagader bleibt oft lange unbemerkt – kann das Schlaganfallrisiko aber deutlich erhöhen. Wird sie rechtzeitig entdeckt, lässt sie sich in vielen Fällen gut behandeln.

Stand: September 2026, erschienen in Magazin „Gesundheit erlangen“, Herbst 2026 
Text (wird nicht aktualisiert): Magdalena Högner/Uniklinikum Erlangen
Magdalena Högner/Uniklinikum Erlangen, Michael Rabenstein/Uniklinikum Erlangen

Den Engpass gemeistert

„Ich war schon immer ein harter Knochen!“, sagt Monika F. und lacht. Die 71-Jährige strahlt Lebensfreude und Tatendrang aus. Wäre Eigenverantwortung eine Person, könnte sie ihren Namen tragen: Vor etwa anderthalb Jahren erhielt die Forchheimerin die Diagnose Typ-2-Diabetes. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, stellte sie ihr Leben grundlegend um: Sie nahm zehn Kilogramm ab, geht seither zweimal pro Woche ins Fitnessstudio und ernährt sich gesund. „Ich konnte mein ganzes Leben alles essen und trinken, was ich wollte. Dann kann ich jetzt auch mal auf meine Naschereien verzichten“, erklärt Monika F. heute schmunzelnd. Und auch als bei ihr Anfang des Jahres eine Carotisstenose – eine Verengung der Halsschlagader durch Gefäßablagerungen – festgestellt wurde, reagierte sie gefasst: „Na gut, das ist jetzt so. Dann mache ich eben das Beste daraus und lasse mich operieren.“

„Deutschlandweit sind jährlich rund 30.000 Schlaganfälle auf eine höhergradige Verengung oder einen Verschluss der Halsschlagader zurückzuführen“, erklärt Dr. Veronika Almási-Sperling, geschäftsführende Oberärztin der Gefäßchirurgischen Abteilung des Uniklinikums Erlangen. „Zugleich variiert das Schlaganfallrisiko bei einer Carotisstenose von Person zu Person – je nach Stelle, Grad und Beschaffenheit der Verengung.“ So ist etwa eine Stenose der inneren Halsschlagader, die für die Sauerstoffversorgung des Gehirns verantwortlich ist, deutlich gefährlicher als eine Stenose der äußeren Halsschlagader. Auch die Art der Ablagerungen ist entscheidend: „Weiche oder instabile Plaques können leichter aufbrechen als harte. Dabei können sich Bestandteile lösen, mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen und dort ein Gefäß verschließen“, so die Oberärztin.

Eine oft unsichtbare Gefahr

Die Carotisstenose war bei Monika F. ein Zufallsbefund: „Da ich in der Vergangenheit bereits eine behandlungsbedürftige Verkalkung einer Beinarterie hatte und das Risiko für Gefäßablagerungen aufgrund meines Diabetes und einer familiären Vorbelastung insgesamt erhöht ist, riet mir meine Hausärztin dazu, mich einmal vollständig durchchecken zu lassen“, erinnert sich die 71-Jährige. Eine Ultraschalldiagnostik und eine CT-Bildgebung in der Gefäßchirurgischen Abteilung des Uniklinikums Erlangen zeigten: Die inneren Halsschlagadern waren beidseits hochgradig verengt.

„Carotisstenosen bleiben bei vielen Patientinnen und Patienten lange Zeit unbemerkt, da sie häufig keine Symptome verursachen. Oft werden sie erst bei routinemäßigen Untersuchungen entdeckt“, erklärt Dr. Almási-Sperling. Bei manchen Betroffenen treten jedoch Beschwerden auf: Kurzzeitige Seh- oder Sprachstörungen sowie einseitige Lähmungen, die nach wenigen Minuten bis Stunden wieder abklingen, können auf eine Verengung der Halsschlagader hinweisen. „Man spricht dann von einer transitorischen ischämischen Attacke – kurz TIA –, also einer vorübergehenden Mangeldurchblutung des Gehirns. Betroffene sollten umgehend neurologisch untersucht werden, denn ihr Schlaganfallrisiko ist deutlich erhöht“, betont die Gefäßchirurgin. „Ist eine behandlungsbedürftige Carotisstenose die Ursache für die Durchblutungsstörung, stimmen wir das weitere Vorgehen gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Neurologischen Klinik ab und operieren möglichst zeitnah.“ 

OP mit Augenmaß

Bei beschwerdefreien Verläufen ist eine Operation nicht immer erforderlich. Stattdessen sehen die Leitlinien zunächst eine Behandlung mit blutverdünnenden und cholesterinsenkenden Medikamenten vor. Zudem sollten Grunderkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes therapiert werden, und auch ein gesunder Lebensstil ist förderlich. „Die Carotis wird dann halbjährlich per Ultraschall kontrolliert, beispielsweise in der hausärztlichen Praxis“, erklärt Dr. Almási-Sperling. Falls sich der Befund trotz medikamentöser Therapie verschlechtert, die Halsschlagader bereits bei der Diagnose hochgradig verengt ist oder die Plaque instabile Merkmale aufweist, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Dabei sind der gesundheitliche Nutzen, der körperliche Allgemeinzustand sowie mögliche Risiken zu berücksichtigen. „Wir wägen sehr genau ab, ob die jeweilige Patientin oder der jeweilige Patient von einem chirurgischen Eingriff profitieren würde“, betont die Expertin.

C wie Carotis

Die Carotis, auch Halsschlagader genannt, verläuft auf beiden Seiten des Halses und transportiert sauerstoffreiches Blut vom Herzen in Richtung Kopf. Etwa auf Höhe des Kehlkopfs teilt sich die Arterie auf jeder Seite in jeweils zwei Äste: Die inneren Halsschlagadern versorgen vor allem das Gehirn und die Augen, die äußeren unter anderem Gesicht, Kopfhaut und Teile des Halses.

Erst links, dann rechts

Monika F. nahm zum Zeitpunkt ihrer Diagnose aufgrund der Verkalkung einer Beinarterie bereits Medikamente ein, lebte gesund und war körperlich fit. Angesichts der hochgradigen Verengung auf beiden Seiten riet ihr das ärztliche Team zu einer chirurgischen Behandlung. „Ich war zuvor noch nie in meinem Leben operiert worden. Trotzdem hatte ich keine Angst davor. Meine einzige Sorge galt dem Schlaganfallrisiko – und genau das ließ sich durch die Operationen deutlich senken“, sagt sie. In zwei jeweils etwa einstündigen Eingriffen entfernte das Operationsteam die Ablagerungen: im Februar 2026 auf der linken, im Juli auf der rechten Seite. Beide Male konnte die Patientin das Uniklinikum Erlangen bereits nach drei Nächten wieder verlassen. 

„Die Operation von Carotisstenosen ist in unserer Abteilung ein standardisierter Routineeingriff. Dabei stehen uns zwei Verfahren zur Verfügung: die Patch-Plastik und die Eversionsendarteriektomie, kurz EEA“, erklärt Dr. Almási-Sperling. Bei beiden Methoden wird die Halsschlagader über einen etwa fünf bis acht Zentimeter langen Schnitt entlang einer natürlichen Hautfalte am Hals freigelegt. Anschließend klemmt das Operationsteam das Gefäß vorübergehend ab, öffnet es mit einem Schnitt exakt über der Engstelle und schält die Ablagerungen aus der Gefäßwand. „Während der Operation überwachen wir die Hirnströme sowie die Gehirndurchblutung, und mithilfe einer Angiografie, also einer radiologischen Darstellung der Gefäße, können wir das Ergebnis nach der Rekonstruktion sofort überprüfen. Eine neurologische Beurteilung stellt zudem sicher, dass keine Nervenschäden entstehen“, betont die Expertin.

Zwei Verfahren, ein Ziel

Bei der Patch-Plastik wird die Halsschlagader längs geöffnet. Nachdem die Plaque herausgelöst wurde, erweitert ein eingenähter „Gefäßflicken“ die Arterie. Bei der Eversionsendarteriektomie wird das Gefäß dagegen quer durchtrennt, umgestülpt und auf diese Weise von den Ablagerungen befreit. Danach wird die Arterie wieder zusammengenäht.

Risiko deutlich gesunken

Die Wunden sind bei Monika F. gut verheilt und heute kaum noch zu sehen. Vor allem aber ist die Patientin erleichtert, dass die gefährlichen Engstellen erfolgreich beseitigt wurden und ihr Schlaganfallrisiko deutlich gesunken ist. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das operierte Gefäß erneut verengt, ist sehr gering“, erklärt Dr. Almási-Sperling. Dennoch bleiben regelmäßige Kontrollen wichtig. Ist zunächst nur eine Halsschlagader betroffen, kann sich später auch auf der anderen Seite eine Stenose entwickeln. „Da eine Carotisstenose häufig Ausdruck einer allgemeinen Gefäßverkalkung ist, sollte zudem die medikamentöse Therapie fortgeführt und das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko regelmäßig hausärztlich oder kardiologisch überwacht werden – auch dann, wenn die Halsschlagader selbst nicht behandlungsbedürftig ist“, betont die Gefäßchirurgin.

Auch Monika F. wird ihre Medikamente weiterhin einnehmen und alle sechs Monate zur Ultraschallkontrolle gehen. Ihren gesunden Lebensstil möchte sie ebenfalls beibehalten, um Gefäßablagerungen an weiteren Stellen möglichst vorzubeugen. Anderen Betroffenen legt sie ans Herz: „Nehmen Sie Ihre Gesundheit ernst und gehen Sie die Sache mit Verstand an. Man kann nicht alles verhindern – aber man kann selbst viel dafür tun, gesund zu bleiben.“

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Carotisstenose entsteht meist durch Arteriosklerose: Dabei lagern sich Fette, Kalk und Bindegewebe an der Gefäßwand ab und verengen die Halsschlagader. Begünstigt wird dieser Prozess vor allem durch Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes, Übergewicht und Bewegungsmangel. Auch das Alter und eine genetische Veranlagung spielen eine Rolle. Häufig sind neben der Halsschlagader auch andere Gefäße betroffen.

Weitere Informationen:

Gefäßchirurgische Abteilung
09131 85-32968
gefaesschirurgie-sekr(at)uk-erlangen.de
www.gefaesschirurgie.uk-erlangen.de

Stent statt OP?

Als Alternative zur Operation kommt bei einigen Patientinnen und Patienten ein Carotis-Stenting infrage. Insbesondere nach einer Bestrahlung des Halses bei Krebserkrankungen oder bei einem erhöhten Operations- und Narkoserisiko ist dieser Eingriff sinnvoll. Bei dem minimalinvasiven Verfahren wird mittels eines Katheters ein feines Metallgitter (Stent) in die verengte Halsschlagader eingeführt. Die Gefäßstütze hält die Carotis offen, sichert den Blutfluss zum Gehirn und kann so das Schlaganfallrisiko senken.